Full text: Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

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II. HAUPTTEIL. 
Die diesbezüglichen Voraussetzungen müssen wir bei 
den einwandernden Elsaß-Lothringern prüfen, doch zuvor 
ist es nötig, ihre innere Einstellung zur Wanderung und 
ihre wirtschaftliche Lage zu betrachten. 
3. DAS INNERE VERHALTEN DER VERTRIEBENEN ZUR 
WANDERUNG UND IHRE ÄUSSERE LAGE. 
Drei Ursachen lassen sich in der Hauptsache fest 
stellen, die zu einer Auswanderung von Bewohnern eines 
Landes in ein anderes Land führen: 1) Abenteuer-Unter 
nehmungslust, 2) Übervölkerung — Nahrungsmangel — 
Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen, 3) politischer 
oder religiöser Druck. 
Der erste Fall der Einwanderung, d. h. eine Einwan 
derung von Menschen, die nur aus Unternehmungslust aus 
ihrem bisherigen Aufenthaltsstaate auswandern, ist wohl 
die günstigste für eine Volkswirtschaft. Solche Menschen 
suchen sich das Land, nach dem sie wandern, völlig frei 
willig aus, nur ihr Wille gibt ihnen den Weg an, und so 
werden sie sich nur dem Lande zuwenden, das ihnen die 
wirtschaftliche Grundlage für eine Existenz zu bieten 
scheint. 
Auch im zweiten Eall, bei einer Einwanderung, die auf 
Übervölkerung zurückzuführen ist, treffen diese Feststel 
lungen in weitem Maße zu. Eine Übervölkerung tritt meist 
nicht plötzlich auf. Allmählich wird der Kampf ums täg 
liche Brot in einem Lande schwerer; es wird unmöglich, 
sich aus kleinen Verhältnissen emporzuarbeiten. Das natio 
nale Einkommen ist konstant, und so können sich die Ein 
kommen der vielen, die um eine Besserung ihrer Lebens- 
verhältnisse ringen, nicht mehr erhöhen. Die Nominal 
einkommen mögen noch wachsen, die Realeinkommen be 
harren auf ihrem Stand, um schließlich zu sinken, wenn 
die Volksvermehrung noch weiter schreitet. Auch hier 
werden die Starken, die vor einer ungewissen Zukunft 
nicht zurückschrecken, auswandern. Auch diese suchen 
sich als Ziel ein Land mit den wirtschaftlichen Bedin 
gungen auf, die ihnen aussichtsreich zu sein scheinen. Auch
	        
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