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Die Grundlagen.
Bei der größeren Zahl der Wirtschaftsbetriebe äußert sich mithin der Produk
tionsfaktor Natur in der bemerkenswerten Tatsache, daß jeder Betrieb einen
Standort haben muß, das ist der Ort, an dem er seine Arbeit durchführt, um die
geplanten und berechneten Leistungen zu vollbringen. Jeder Wirtschaftsbetrieb
hat — im juristischen Sinne einen Sitz — im wirtschaftlichen Sinne einen Stand
ort. Wie ein (Gesamt-)Betrieb aus mehreren Unter- oder Teilbetrieben bestehen
kann, so kann jeder dieser Teilbetriebe wieder einen örtlich verschiedenen Standort
haben. Es kommt nicht selten vor, daß (zum Beispiel bei Großbetrieben, Kon
zernen) sich die kaufmännische oder Hauptverwaltung an einem anderen Ort be
findet als dort, wo die technischen Betriebe ihren Standort haben. Im folgenden
soll auf den Standort der Wirtschaftsbetriebe etwas näher eingegangen werden.
Alfred Weber hat die Frage des Standortes der Industrie aufgegriffen, weil sie den
„Schlüssel für die Zusammenballung der Industriebevölkerung“ bildet. Im Rahmen unserer
Darstellung gilt es, vom Standpunkt der Unternehmung her die Frage zu prüfen, welche
Überlegungen anzustellen sind, um den für jeden Betrieb günstigsten Standort zu finden.
Hinter diesen Überlegungen steht die Verwirklichung der kapitalistischen Grundrechnung
(s. 2. Buch, S. 4ff.), nach der Kosten, Preise, Umsatz und Kapital so aufeinander abgestimmt
werden, daß sie das bestmögliche Verhältnis des Umsatzgewinnes zum Kapital (Rentabilität)
ergeben. Kosten-, Kapital- und Erlösüberlegungen sind es also, die in erster Linie bei der Wahl
des Standortes zu berücksichtigen sind. Daß auch noch andere Überlegungen Platz greifen
können, werden die weiteren Darlegungen ergeben.
2. Der Standort der Industriebetriebe. Im folgenden ist zuerst von dem Standort der
Industriebetriebe die Rede. Hier lassen sich die einzelnen Bestimmungsgründe mit größerer
Deutlichkeit verfolgen und aufzeigen. Sie haben grundsätzlich die gleiche Bedeutung auch
für die übrigen Wirtsohaftsbetriebe. Vorweg sei noch betont, daß bei jedem Standort in der
Regel verschiedene Bestimmungsgründe in Betracht kommen, die sich gegenseitig beein
flussen. Gedanklich ist es meist nicht schwer, trotzdem den günstigsten Standort zu bestim
men; in der Wirklichkeit können hingegen Schwierigkeiten aller Art eintreten, die zu einer
Verziohtleistung auf diesen oder jenen Bestimmungsgrund zwingen. Im allgemeinen wird es
schon als Gewinn anzusehen sein, wenn es gelingt, eine möglichst große Zahl der günstigen
Gesichtspunkte zu verwirklichen, wie auch wohl der Fall selten ist, daß sich ein Wirtschafts
betrieb just auf dem ungünstigsten Standort behaupten muß.
Im nachfolgenden handelt es sich zunächst um eine systematische Aufzählung der Be
stimmungsgründe für die Wahl des Standortes.
Wir können unterscheiden: 1. die ordentlichen, 2. die außerordentlichen und
3. die besonderen Bestimmungsgründe. Zu den ordentlichen Bestimmungsgründen
zählen: die Bezugskosten für die Roh- und Hilfsstoffe, die Kosten für den Absatz
und die Beschaffung der erforderlichen Arbeitskräfte. Bezugs-, Absatzkosten
und Arbeitskräfte werden gewöhnlich als die Standortsfaktoren bezeichnet, weil
sie in der Regel von ausschlaggebender Bedeutung für die Wahl des Standortes
sind. Befindet sich der Standort in der Nähe der benötigten Rohstoffe, so spricht
man von rohstofforientierten Betrieben; liegt der Standort dem Absatz zuge
wendet, so sind die Betriebe absatzorientiert; als arbeitsorientiert wird der Betrieb
bezeichnet, der von den Arbeitskräften bestimmt wird. Die drei Ausrichtungen
können nahe beieinander hegen (in einzelnen Fällen sogar in einem Punkt Zusam
mentreffen : Industriegebiete); aber es ist ebensogut möglich, daß sie weit aus
einander rücken.
Was zunächst die Absatzkosten anlangt, so gilt es den Ort ausfindig zu machen,
von dem aus die besten oder kürzesten Verkehrswege (Post, Eisenbahn, Schiffahrt,
Auto) mit den geringsten Kosten zu der größten Zahl möglicher Abnehmer führen.
Hierher gehören in erster Linie die örtlichen Betriebe der zahlreichen Handwerker,
sowie die Industriebetriebe, die die Güter des täglichen Bedarfs herstellen: Bau
gewerbe, Lebensmittel, Kleidung. Sie sind überall anzutreffen, wo in den Städten
Massenbedürfnisse auf tägliche Befriedigung angewiesen sind. Hier treten die
Bezugskosten hinter den Absatzvorteilen zurück; freilich kommt hin und wieder