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Die Menschen im Betrieb.
verschiedene Typen von Unternehmern herausgehildet, die über die besonderen
Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen und eine entsprechende Betriebsleistung
übernehmen. Als zwei verschiedene Grundtypen erscheinen von alters her: der
Kaufmann (im Sinne des Händlers) und der Gewerbetreibende (im Sinne des
Industriellen).
Der Kaufmann als Händler hat es nicht mit Gütern, sondern mit Waren zu
tun, soll heißen, daß er nicht Hersteller ist, sondern am Markt der Güter tätig ist.
Im Bezüge die besten Quellen ausfindig zu machen, Art, Güte und Beschaffenheit
der Waren zu beurteilen, den Absatzmöglichkeiten nachzuspüren und dabei die
Entwicklung der Preise im Auge zu behalten, macht die Aufgabe des Kaufmanns
aus. Zu diesem Zweck muß er über die entsprechenden Warenkenntnisse verfügen,
die Erzeugungs- und Absatzverhältnisse seines Landes (wie gegebenenfalls anderer
Länder) kennen, mit den Einrichtungen der Märkte, der Messen, des Transport-,
Versicherungs- und Geldwesens vertraut sein. Er muß ferner über Menschen
kenntnis verfügen, wenn er mit Menschen über Geschäftsabschlüsse verhandelt.
Er muß Kenntnisse von der Konjunktur und den Krisenerscheinungen haben, um
den Zeitpunkt für seine Entschlüsse richtig zu wählen. Den rechten Kaufmann
zeichnet eine gewisse Vielseitigkeit aus, wenn er die vielfachen Einflüsse, die vom
Markt her auf seinen Betrieb eindringen, verstehend und ordnend verfolgt. Ins
besondere ist diese Vielseitigkeit bei dem Überseekaufmann anzutreffen, der Men
schen und Einrichtungen, Rechtsleben und Poütik anderer Länder in den Kreis
seiner geschäftlichen Überlegungen einbezieht. Auf der anderen Seite läßt die
Vielseitigkeit nach, wenn sich z.B. der (binnenländische) Großhändler auf den
Handel mit einer bestimmten Ware beschränkt hat und nun sein ganzes Leben
dieser Ware unterordnet, in Baumwolle denkt, nur noch von Baumwolle spricht
und von ihr träumt — was freilich dem Erfolg seiner geschäftlichen Tätigkeit nicht
abträglich zu sein braucht.
Der Unternehmer als Industriekaufmann, als Fabrikant, richtet Fabriken ein
und übernimmt die Herstellung und den Absatz bestimmter Erzeugnisse. Er greift
zwar nicht selbst in den technischen Ablauf der Erzeugung ein, aber er überwacht
doch ständig die Kosten, die Güte und die Absatzfähigkeit seiner Erzeugnisse,
wobei er die eigentliche Ausführung den technischen Mitarbeitern überläßt. Das
Aufspüren von Bedürfnissen und der Sinn für die technischen und kaufmännischen
Möglichkeiten in der Herstellung der Güter, die diesen Bedürfnissen entsprechen,
gepaart mit der Kenntnis von Stoff- und Wareneigenschaften, von Rohstoff-,
Werkstoff- und Maschinenpreisen, von Einkaufs- und Absatzmöglichkeiten, die er
unter Umständen durch Werbung schafft oder ausweitet, ist seine besondere
Stärke. Er weiß auch im großen über die Möglichkeiten der Herstellung Bescheid,
obwohl er in Einzelheiten auf die technisch ausgebildeten Mitarbeiter ange
wiesen ist. Der richtige Industrielle ist von der Idee des technischen Fortschritts
beherrscht, den er täglich zu fördern und zu verwirklichen bestrebt ist — unter
Beachtung der wirtschaftlichen Möglichkeiten und Nützlichkeiten.
Gewöhnlich kommt der Industriekaufmann von der Technik her: ein Hand
werker oder Meister, ein Techniker oder Ingenieur haben sich selbständig gemacht
oder sich zum Vorstand einer Aktiengesellschaft emporgearbeitet und sich die
erforderlichen kaufmännischen und wirtschaftlichen Kenntnisse angeeignet. Im
Grunde sind sie jedoch Techniker geblieben; sie leben in der technischen Ideenwelt
und sind Gestalter am stofflichen Werk (vor allem in der Maschinenbau- und in der
chemischen Industrie). Auf der anderen Seite ist der Kaufmann (Händler) zum
Industriekaufmann geworden, besonders in abgeleiteten (mit Maschinen arbeiten
den) Zweigen, wo es nicht mehr so sehr auf ursprüngliche technische Kenntnisse
ankommt. Daß es in Wirklichkeit hierüber hinaus noch weitere Mischformen des