lung des bremischen Warenhandels während der letzten
40 Jahre.
Man kann im Zweifel darüber sein, ob der Warenverkehr
Bremens mit Deutschland selbst in der Tabelle mit aufzunehmen
ist. An dieser Stelle hielt ich seine Berücksichtigung für ange
zeigt. Bremen ist einer der wichtigsten Kanäle, die ein erheb
licher Teil der Güter des Gesamtstaates, Deutschlands, benutzen
muß. Dieser Güterumlauf, wenngleich kein Gradmesser für den
Eigenhandel Bremens und auch nicht durch besondere Rührig
keit herangezogen, gibt doch seinen Häfen ihr Gepräge, durch
strömt sie mit belebender Kraft. Ganz Deutschlands Niedergang
und Aufschwung spiegelt sich im kleinen in den stillen Wassern
der Weser wieder. Die Zusammenstellung soll nicht das Wachsen
des spezifisch-bremischen Handels kennzeichnen, sondern ledig
lich zeigen, in welchem Maße die Kräfte wuchsen, die das Weich
bild der alten Stadt durchpulsen.
Nach Beendigung des Feldzugs zeigt sich eine lebhafte
Steigerung des Verkehrs, angeregt von gestiegenem Bedarf und
nicht zum wenigsten vom Goldstrom der Kriegsentschädigung
von fünf Milliarden. Der Höhepunkt fällt in das Jahr 1873, das
den Gesamtverkehr des ersten Kriegsjahres um 2 / 3 übersteigt und
sich zu ihm verhält wie 170:100. Aber der Aufschwung war zu
plötzlich und zu stark, um gesund zu sein, der Zufluß von Edel
metall war allzu rasch und reichlich und war für unser Vaterland
von unseligen Folgen begleitet. Eine schwere, bis ins Jahr 1879
hinein fühlbare wirtschaftliche Krise trat ein. Die Statistik zeigt,
daß auch unser kleiner Freistaat an der Schädigung des Waren-
und Geschäftsverkehrs sein wohlgemessenes Maß hatte. Nach
sechs Jahren war der Umsatz von 1873 noch nicht wieder er
reicht. Dann wird 1880 ein neuer Höhepunkt erklommen, der
mit geringen Schwankungen nach oben und unten bis zum Jahre
1888 unverändert bleibt. Von 1873 —1888, also in einem Zeit
raum von i 1 / t Jahrzehnten, hatte sich der Gesamtverkehr um noch
nicht 40 Millionen Mark, d. h. um nur 3 3 /4°/o erhöht, jährlich also
nur um ungefähr Vs%- Wenngleich fast das ganze vorletzte
Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts eine weltwirtschaftliche Flauheit
aufwies und diese wegen der überwiegend überseeischen Be
ziehungen auf Bremen ganz besonders zurückwirkte, so befand
sich doch das Deutsche Reich vermöge seiner schnell wachsen
den Bevölkerung und des kräftigen Aufschwungs, den seine junge
ausfuhrfähige und ausfuhrbedürftige Industrie nahm, in verhält