Object: Das Retablissement Ost- und Westpreußens unter der Mitwirkung und Leitung Theodors von Schön

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Trotzdem sank der Kurs ihrer Pfandbriefe 1812 bis auf 33 %. Sie 
war deshalb gezwungen, ihre Beleihungslätigkeit einzuschränken — eine 
Maßregel, die in jener Zeit, da zum Retablissement viel Kredit benötigt 
wurde, besonders verhängnisvoll warZ. 
War die Bodenrente auf das Stärkste entwertet, so war die Arbeitskraft 
im Gegenteil teurer geworden. Aus dem engeren Ostpreußen (ohne 
Lithauen) hören wir, daß die Zahl der Bewohner in den Jahren 1805—9 
von 555110 auf 458618 gesunken sei; dieser Menschenverlust habe eine 
Steigerung des Lohnes verursacht, die fast das Zweifache des vor 1806 
üblichen Satzes betrage^). 
Alle diese tiefgreifenden Folgen des Krieges sind nicht zu berechnen. 
Daher ist es ein vergebliches Bemühen, den gesamten Schaden in Geldwert 
ausdrücken zu wollen. Zuverlässige Zahlen lassen sich aus Grund amtlicher 
Berichte am ehesten noch gewinnen für die unmittelbaren Kriegsschäden. 
Darunter sind vor allem zu verstehen: die unbezahlten Naturalleistungen, 
die Kontributionen und die durch Raub und Beschädigung entstandenen 
Verluste an Saat, Vieh und sonstigem Wirtschaftskapital. Der Bestand 
an Pferden z. B. hatte sich um 22 %, der Bestand an Nutzvieh um 27 % 
verringert^). Insgesamt wurden die unmittelbaren Kriegsschäden für die 
Jahre 1806/7 in Ostpreußen auf ca. 65, in Lithauen auf ca. 13, in West 
preußen (ohne Danzig und das Culmer Land) auf 34, zusammen also etwa 
auf 110 Millionen Taler veranschlagt * 2 * 4 ). 
1) Mauer, Kreditwesen S. 32. 
2 ) Gedrängte aktenmäßige Darstellung des Zustandes der Provinz Ostpreußen 
in den Jahren 1807—15. Geschrieben 1816. Unvollständig abgedruckt in „Beiträge 
zur Kunde Preußens" Bd. 1 (1818) S. 273—287. Vollständig: Geh. St. A. Rep. 89 B. 
IV 44 1 y 2 . 
s ) Radefeldt, Darstellung der Leistungen, Lieferungen und Verluste aller Art 
der zu dem Gouvernement zwischen der Weichsel und der russischen Grenze gehörigen 
Provinzen in den Kriegsjahren 1807, 1812 u. 1813. Beiträge zur Kunde Preußens 
Bd. 1 (1818) S. 33—40. Bezzenberger S. 126. 
4 ) Die besonnenste Untersuchung über diese Berechnungen ist immer noch die von 
Bismarck veranlaßte Arbeit M. Töppen's, Nachweisung der Kriegslasten und Kriegs 
schäden Preußens von 1806—13. (Altpreußische Monatsschrift Bd. 8 (1871) S. 46—58). 
Seme Berechnung leidet aber daran, daß er die von Radefeldt ausdrücklich nur für 
das östlich der Weichsel gelegene Preußen angegebene Summe auf ganz Ost- und 
Westpreußen bezieht. Den aus den Jahren 1806/7 stammenden Kriegsschaden des 
engeren Ostpreußen berechnete Alexander zu Dohna in einem Schreiben v. 15. Juni 
1814 auf 65 659 391 Th. (Vgl. Töppen S. 46). Diese Zahl ist auch weiterhin maß 
gebend ; z. B. erscheint sie in einem Bericht des Oberpräsidenten Auerswald an Harden 
berg v. 29. April 1816. Geh. St. A. 74 I. XX 8 vol. I. Den Kriegsschaden Lithauens 
berechnete Schön auf 12 809 486 Th. (Generaltableau v. 12. Februar 1811. Bezzen 
berger S. 86f.). Für Westpreußen, ohne Danzig und das Culmer Land, ermittelte 
die Regierung zu Marienwerder den Wert von 34755863 (Nachweisung v. 21. April 
1*
	        
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