322 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Der Kaiser, seit so lange schon krank, war bereits halb apathisch;
Eugenie dagegen fürchtete mit allen Fasern eines Mutterherzens
für die Nachfolge ihres Sohnes; der Krieg sollte diese sichern.
Aber ihrem Willen, möchte man fast sagen, widerstand auch
keiner der Faktoren, die ihm bei fester gegenteiliger Gesinnung
hätten entgegentreten müssen: weder der Kaiser, noch die Minister,
noch das Parlament, noch die öffentliche Meinung.
Noch am 30. Juni hatte der Minister Ollivier im gesetz⸗
gebenden Körper versichert, der Friede in Europa sei niemals
— — Juli brachte dann die
Agence Havas die Nachricht von der Annahme der spanischen
Krone durch den Prinzen Leopold. Etwa gleichzeitig hiermit
erfuhr der Minister des AÄußeren, der Herzog von Gramont,
durch den französischen Gesandten in Madrid von der Kandidatur.
Der Eindruck war gleichmäßig in der öffentlichen Meinung
Frankreichs wie im Ministerium derart, daß man völlig den
Kopf verlor. Während die Zeitungen mit Insulten gegen die
Deutschen begannen, trug der Minister dem französischen
Geschäftsträger in Berlin, ohne weitere Nachrichten abzuwarten,
auf, in der Wilhelmstraße Aufklärungen über die „Intrigue“,
iüüber den „régréttable ineident“ zu verlangen. Er erhielt
am 4. Juli von dem Stellvertreter des Bundeskanzlers — Bis⸗
marck war in Varzin — die Antwort, daß die preußische Regierung
der Sache völlig fremd sei, und daß sie nichts von ihr wisse.
Aber das störte den Herzog von Gramont nicht; am
5. Juli schon sagte er zu Lord Lyons, dem englischen Bot⸗
schafter in Paris: „Nous pe pouvons tolérer une combinaison
qui, en cas de guerre avec la Prusse, nous obligerait à
immobiliser un corps d'armée sur la frontière del'Espagne“,
und fügte gegenüber dem österreichischen Botschafter, dem Fürsten
Metternich; hinzu: „Cela ne se fera point; nous nous y
opposerons par tous les moyens, dut la guerre avec la
brusse en résulter.“ Dem preußischen Gesandten, Herrn
von Werther, aber erklärte Gramont kategorisch, Frankreich
werde die spanische Thronbesteigung weder dieses noch eines
anderen Hohemollernprinzen dulden.