Object: Neuere Zeit (Abt. 2)

Neunzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
örtlich verschieden arrangierten Massen, an denen Kräfte, d. h. 
Ursachen von Bewegungserscheinungen oder Bewegungshem— 
mungen, als in bestimmten einfachen Entwicklungsformen wirkend 
angenommen wurden. Es ist klar, daß mit dieser Umformung, 
wie sie seit etwa Mitte des 18. Jahrhunderts langsam eintrat, 
der Unterschied von Statik und Dynamik nicht minder weg— 
zufallen begann, wie sich in dem parallelen Entwicklungsprozeß 
der Mathematik der Unterschied zwischen Arithmetik und Geo— 
metrie verflüchtigte: die Mechanik wurde gleich der Mathematik 
eine allgemeine Größenlehre, doch unter der Voraussetzung 
der Körperhaftigkeit, d. h. der Massigkeit und Schwere, dieser 
Größen. 
In dieser Entwicklung galt die Mechanik dann, wenigstens 
insofern sie für das Gebiet der Wissenschaften in Betracht kam, 
längere Zeit als eine eigentlich abgeschlossene Wissenschaft: bis 
ihr vielleicht schon die Rotationstheorie Poinsots (1834), gewiß 
aber die Wärmetheorie der zweiten Hälfte des 19. Jahr-⸗ 
hunderts ein neues Feld empirischer Anregungen und Aus— 
sichten eröffnete. 
2. Wie früher die Mathematik, so haben wir jetzt die 
Mechanik in ihrer Entwicklung noch über das Zeitalter des 
Individualismus hinaus verfolgt. Jetzt aber gilt es ins 
17. Jahrhundert zurückzukehren und an den Wirkungen der 
neuen Wissenschaft zu erkennen, was sie der Zeit denn im 
Grunde war. Es ist das auf verschiedenen Gebieten möglich, 
auch schon auf dem der Physik und allenfalls der Chemie. 
Indes handelt es sich da doch erst um Anfänge, deren Trag- 
weite nur im Zusammenhange mit späteren größeren Er— 
scheinungen leicht zu ermessen ist. In einer Wissenschaft da— 
gegen wurden noch im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts 
die ungeheuren Folgen der Entwicklung der Mechanik völlig 
klar und leicht verständlich gezogen: in der Astronomie. Wir 
verfolgen diese Seite der Entwicklung hier um so lieber, da der 
Verlauf der astronomischen Wissenschaft auch sonst mehr als
	        
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