Full text: Die Eisenindustrie in Südrußland

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den 17 Gesellschaften, die am Ende der 90er Jahre mit Eisen 
verhüttung sich beschäftigten, hatten nur 10 eigene Gruben erworben. 
Diese 10 Aktiengesellschaften zerfallen wieder in zwei Gruppen. Die 
älteren Gesellschaften, wie die Dnieprovienne, Brjansk, die Krivoj- 
Rog und die Hughes A.-G. haben größere Vorräte und zahlen 
niedrigere Pachtzinsen, die neuen Aktiengesellschaften dagegen müssen 
sich mit relativ kleineren Vorräten begnügen und außerdem hohe 
Pacht zahlen. 
Drei Gesellschaften — Providence, Taganrog und Kertsch — 
haben große Mengen von Kertsch-Eisensteinlagern gepachtet. Die 
genaueren Zahlen anzuführen, lohnt sich hier nicht, da die Gesell 
schaften Tausende von Dessjatinen in Besitz haben, deren durch 
schnittliche Vorräte sich auf 200000 t pro Dessjatine belaufen. 
Die Hughes- und Donez-Jurjewka-Gesellschaften sind Eigentümer 
einer Anzahl von großen Donez-Eisenerzflözen, und die Russo-Belge 
endlich hat ein Grundstück in Korsak-Mogila mit einem Vorrat von 
8000000 t Eisenerzen gepachtet. Die beiden letzteren Eisenlager 
haben aber bis jetzt keine besondere Bedeutung. 
Ein weiteres Bestreben der Aktiengesellschaften geht dahin, 
sich auch mit eigener Kohle zu versorgen. Hier spielte nicht nur 
das Motiv der Rohstoffverbilligung eine Rolle, wie das bei Eisenerzen 
der Eall ist, sondern auch der Wunsch, eine möglichst gute Qualität 
des Kokses zu gewinnen. 
Noch am Ende der 80er Jahre waren die Steinkohlengruben 
klein und ziemlich primitiv eingerichtet 1 . Die gewonnene Kohle 
pflegte man nicht weiteren Verbesserungsverfahren zu unterwerfen, 
was auf die Qualität des Kokses und damit auf die des Roheisens 
eine schlechte Wirkung ausübte 1 2 . Das Streben nach Verbilligung 
der Steinkohle durch Erwerb eigener Gruben gewann Ende der 
90er Jahre eine besonders große Bedeutung, da in diesen Jahren 
die Steigerung der Steinkohlenpreise rasch Fortschritte machte. Diese 
Tendenz endete in den Jahren 1899—1900 mit der sogen. Stein 
kohlenkrisis, die man als natürliche Folge des immer wachsenden 
Kohlenverbrauches und der ungenügenden Transportfähigkeit der 
Eisenbahnen betrachten muß. Diese Verhältnisse mußten die Be 
mühungen der Aktiengesellschaften, eigene Gruben zu erwerben, ver 
größern. Auch hier sind die ältesten Unternehmungen im großen 
und ganzen besser fundiert. Die Aktiengesellschaften sind sehr oft 
Besitzer und nicht nur Pächter der Steinkohlengruben, da die Er 
werbung der letzteren, wegen der großen Ausdehnung der Steinkohlen 
lager, nicht so schwer zu ermöglichen ist als die der Eisenerzgruben. 
Die vorhandenen Pachtverträge sind ziemlich verschieden. 
1 Tieme, a. a. O., Corn. Journ. 1893, S. 394. 
2 Bassin, a. a. O., Gorn. Journ. 1890, S. 11.
	        
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