fullscreen: Kommentar zum Gesetz über eine Kriegsabgabe von Vermögenszuwachs und zum Gesetz über eine außerordentliche Kriegsabgabe für das Rechnungsjahr 1919 vom 10. September 1919

III. Der Vermögensbegriff des Gesetzes. § 3. 
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und Verpflichtungen der Gesellschaft, des gesellschaftlichen Sondervermögens, 
des Gesellschaftsvermögens. Ein von den Gesellschaftern verschiedenes Rechts 
subjekt (juristische Person) ist nicht vorhanden. Die Gesellschafter haben kraft 
ihrer Zugehörigkeit zur Gesellschaft Anteil an dem ungeteilten Gesellschaftsver- 
mögen und so mittelbar auch an den einzelnen dazugehörenden Gegenständen, 
sie können aber — und namentlich darin zeigt sich das Wesen des Gesellschafts 
vermögens — infolge der Gebrmdenheit dieses Vermögens einzeln auch über 
ihren Anteil daran nicht verfügen, geschweige denn über die dazugehörigen 
einzelnen Gegenstände" (BGB. v. RG.Räten Anm. 1 zu § 718). (Das schließt 
indessen nicht aus, daß den Teilhabern einer offenen Handelsgesellschaft voll- 
wirksame obligatorische Rechte gegen die Gesellschaft zustehen, die dann zu 
seinem steuerbaren Vermögen gehören — pr. OVG. VI W B 20 vom 
15. Dez. 1917.) Der §4 Abs. 2 BSt.G. besagt nun, daß in solchen Fällen, 
wenn es sich um Erwerbsgesellschaften handelt, die ein Betriebsvermögen 
haben, letzteres anteilig als folches der einzelnen Gesellschafter steuerlich zu 
behandeln ist. 
Nun gibt es aber noch andere Fälle der Gemeinschaft zur gesamten Hand, 
nämlich, abgesehen von denen des ehelichen Güterrechts, die durch § 14 BSt.G. 
geregelt sind, die anderer, Land- oder Forstwirtschaft, Bergbau oder Gewerbe 
treibender Gesellschaften, ferner der Erbengemeinschaft und der fortgesetzten 
ehelichen Gütergemeinschaft. Für diese Fälle enthält BSt.G. keine Bestimmung, 
während § 5 Zisf. 2 pr. Erg. St.G. ausdrücklich vorschreibt, daß das zu einer 
ungeteilten Nachlaßmasse gehörige Vernrögen den Erben nach Verhältnis ihres 
Erbteils hinzuzurechnen ist. Aus dem Fehlen ausdrücklicher Bestim 
mungen für jene anderen Fälle des Gesamthandseigentums im 
B St.G. ist aber nicht zu folgern, daß in diesen anderen Fällen eine 
AnrechnungdesGesamtguts bei den Gesamthändern nicht stattfinde. 
Die Steuerpflicht von Gesamtgut in der Hand des Gesamthänders folgt 
schon daraus, daß der einzelne Gesamthänder, wie schon unter d erwähnt, Eigen - 
tum an dem Gesamtgut besitzt; denn das Recht des Gesamthänders am Gesamt 
gut ist eine besondere Form des Miteigentums (vgl. pr. OVG. 54 S. 107), 
„gekennzeichnet dadurch, daß keinem der Eigentümer ein irgendwie gearteter 
bestimmter Anteil an dem Gegenstände zusteht" (pr. OVG. 62 S. 280). Die 
Frage, ob mit Rücksicht auf diese Sondergeartung des Eigentums zur gesamten 
Hand, abgesehen von den Fällen des § 4 Abs. 2 BSt.G., dem einzelnen Gesamt 
händer ein Anteil an dem Wert der einzelnen Gegenstände des Gesamtgutes 
anzurechnen ist oder nur der Wert seines Anspruchs auf einen Anteil an dem 
Inbegriffe des Gesamtgutes als „Kapitalvermögen" nach § 5 BSt.G., ist nach 
dem unten Ausgeführten im ersteren Sinne zu beantworten. Jetzt bestimmt^der 
mangels ausdrücklicher abweichender Bestimnwngen der einzelnen Steuergesetze 
allgemein als authentische Interpretation anzusehende § 80 Abs. 2 RAO.: 
„Steht ein Gegenstand mehreren zur gesamten Hand zu, so sind die Beteiligten 
so zu besteuern, wie wenn sie nach Bruchteilen berechtigt wären. Die Höhe der 
Bruchteile ist nach den Anteileir zu bestimmen, zu denen die Beteiligten an 
dem Vermögen zur gesamten Hand berechtigt sind, oder nach Verhältnis dessen, 
was ihnen bei Auflösung der Gemeinschaft zufallen würde." 
Natürlich folgt aus dem für das Betriebvermögen in § 5 Abs. 2 BSt.G. 
zum besonderen Ausdruck gelangten Grundsätze, daß das Aktivvermögen einer 
Gesamthandsgemeinschaft den einzelnen Gemeinschastern nach Verhältnis ihres 
Ilnteils anzurechnen ist, dasselbe hinsichtlich der Schulden und Leistungen (§ 6 
Nr. 5 BSt.G.) der Gemeinschaft (vgl. BGB. §§ 733, 735, 738, 739, HGB. 
§§ 124, 161 Abs. 2).
	        
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