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renden Nothstand in der Sonneberger Hausindustrie", als einer Production,
die jeder höheren, sittlichen Organisation ermangelt, von „abhängigen" Fabri
kanten und Arbeitern, die ohne innern Zusammenhang, ohne gemeinsame
Institution alle Mittel entbehren zu einem Aufschwung in bessere Verhält
nisse*). Und inmitten seines tiefschwarzen Gemäldes stellt er den nackten, kauf
männischen Egoismus in rother Höllengluth dar, als den Urheber und Nährer
des grausigen Elendes unter einem „Proletariat der schlimmsten Sorte."**)
Der Universitäts-Philosoph sieht den Wohlstand nicht, der in Sonne
berg und Umgegend unter allen Klassen vorherrscht, die direct und indirect
von der Blüthe des Handels leben. Er sieht nur wohlhabende Kaufherren,
aber keine wohlhabenden Fabrikanten und Gewerbtreibende, aber um so
größere Schaaren eines Arbeiter-Proletariates, welche unparteiische Be
obachter hier nicht sehen, vielmehr auswärts in einer viel traurigeren
Lage finden, da, wo keine Industrie und kein Handel ihren Segen spenden.
Man fragt daher erstaunt, ja empört, w o, in welchen anderen Regionen
zwischen Production und Handel für erstere günstigere, humanere Verhältnisse
existiren, als hier, wo jeder einzelne Fabrikant dem lokalen Großhandels
stand so unabhängig und selbstständig gegenübersteht, wie der Detaillist
und der Handwerker dem Publikum. Genau so wie dieses***) und
nicht anders verfährt die Sonneberger Kaufmannschaft bei ihren Waaren
einkäufen gegenüber den Fabrikanten,-^) nur daß im Großhandel, weil
fortwährend unter Production und Consum eine Fluctuation gleich Ebbe
und Fluth stattfindet, beide Factoren dem Gesetz des Angebotes
und der Nachfrage unterworfen sind.şş)
*) Wie ein Rezensent im Interesse des Sax'schen Werks in der Straßburger
W (23. Äug. 1882) fWM.
**) Wie ein Rezensent in der Weser-Zeitung (vom 27. September 1882) sich ver
lauten läßt.
***) Der fahrende Schüler der National - Oekonomie kauft seine Brödchen bei dem
Bäcker, der die größten und besten liefert, imb der Herr Professor erspäht dasjenige
Geschäft, in welchem er seine Bedürfnisse bester Qualität zugleich billigst empfängt.
Beide erachten es als selbstverständliche Aufgabe der Concnrrenz, daß die Consú
mente» der Willkür der Produzenten nicht preisgegeben werden, daß sie vielmehr die
Preise der Erzeugnisse fortwährend erniedrige durch wirksamen D r u ck auf Arbeit, Fort
schritt und Erfindung.
t) Glefic Gelte 23, 29.
tt) Gl# Güte 34, 39.