66
ich, daß ich für die Sache noch unentbehrlich bin, und
ich werde meine Pflicht tun." Er schien zur Zukunft der
von ihm vertretenen Sache das vollste Vertrauen zu
haben.
Lassalle war, während er mit mir sprach, in dem
geräumigen Hotelzimnier beständig auf und nieder ge
gangen. Er hatte den Kopf etwas gesenkt und bewegte
ihn pendelnd während des Sprechens hin und her.
Jedem Satze, dem er Wichtigkeit beilegte, und jedem
Worte, das er betonte, verlieh er durch eine energische
Handbewegung besonderen Nachdruck.
Wie am Abend vorher, so hatte ich auch jetzt fast gar
nicht gesprochen. Ich schlug eben nur die Themata an,
die ich von ihm behandelt zu hören wünschte. Inzwischen
war es zwei Uhr geworden. Lassalle sprach immer
weiter und so fesselnd, daß ich ihn nicht unterbrechen
mochte. Er sprach noch eine Stunde. Ich hatte mich
ein paarmal erhoben, um ihn daran zu erinnern,
daß wir eigentlich zusammen speisen wollten, aber
er bemerkte es nicht. Er sprach weiter, bis ich endlich
um halb vier Uhr etwa mit dem Geständnis herausrückte:
„Wollen wir nicht essen gehen? Ich habe furchtbaren
Hunger." Lassalle machte mir Vorwürfe, daß ich ihn
nicht früher daran erinnert hatte, zog sich schnell den
Straßenanzug an, und wir klopften eine Treppe tiefer
bei der Gräfin Hatzfeldt.
Die Gräfin stand an der Schwelle der Sechzig. Als
mir Lassalle die Ehre erwies, mich ihr vorzustellen,
nahm sie ihre Zigarre aus dem Munde und reichte
mir ihre wohlgepflegte und schön geformte Hand. Mir
war bekannt, daß sie mit ihrem ährenblonden Haar