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Weltkolonisation
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dem Weltkriege 2 9 Millionen Quadratkilometer Kolonien, die es
als ein dringendes Bedürfnis in den letzten Jahrzehnten erworben
hatte. Der Krieg hat ihren Verlust zur Folge gehabt und damit
die Frage, wie Deutschland in der Zukunft seinen Bevölkerungs-
Überschuß unterbringen soll, offen gelassen. Da überseeische Ge
biete ihm voraussichtlich auf längere Zeit unzugänglich sind, wird
Deutschland nichts erübrigen, als das engste Einvernehmen mit
Rußland anzustreben, das allein seine überzähligen Menschen ab
sorbieren könnte.
Eine gerechte Regelung der Kolonialfrage erscheint unter
den heutigen Verhältnissen ganz aussichtslos. Aber wir betreiben
ja hier keine Politik, sondern stellen lediglich fest, daß die Unter
bringung der Bevölkerungsüberschüsse eine Frage ist, welche die
Lenker der Geschicke Europas ernstlich beschäftigen sollte, wenn
sie dem Unheil, das sonst in den nächsten Jahrzehnten unver
meidlich ist, Vorbeugen wollen. Die Überlegung, daß Rußland ein
ungeheures Kolonisationsgebiet nicht nur in Europa, sondern ins
besondere, trotz des heute sehr gelockerten Zusammenhanges, auch
in Asien besitzt, daß Spanien 313.000 Quadratkilometer afrika
nische Kolonien hat und auch kleinere Staaten, wie Dänemark,
Portugal, die Niederlande und Belgien, große Kolonien ihr eigen
nennen, könnte die internationale Regelung der Kolonial- oder
zum mindesten der Auswanderungsfragen erleichtern.
Sehen wir nun zu, wie sich in den letzten Jahrzehnten vor
dem Weltkriege die Auswanderung aus Europa vollzog.
Von 1880 bis 1910 sind ausgewandert:
Aus der Schweiz 190.000 Menschen, den Niederlanden 201.000
Dänemark 211.000, Frankreich 263.000, Norwegen 485.000,
Portugal 767.000, Schweden 846.000, Schottland 984.000, aus
dem, früheren Österreich 1,730.000, aus dem früheren Ungarn
1,792.000, aus Deutschland 2,172.000, Spanien 2,189.000, Irland
2,385.000, England 4,639.000, Italien 6,430.000 Menschen.
Innerhalb dieser 30 Jahre sind also in Summe 25,284.000
Menschen aus Europa nach überseeischen Ländern gegangen. Die
Verteilung auf die einzelnen Jahrzehnte dieser Epoche ist nicht
gleich. Im allgemeinen war die Auswanderung von 1900 bis 1910
bedeutend stärker als früher. Nur in Deutschland machte sich,
offenbar als Folge des wirtschaftlichen Aufschwunges, den das
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