2
Einleitung
Raum erst schaffen. In den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege
waren ihm koloniale Erwerbungen geglückt.
Damit war es in den Wettbewerb um überseeische Geltung
eingetreten und der Konfliktstoff gegeben.
Dessen letzte Ursache liegt also in der zu zahlreichen Be
völkerung, deren Versorgung zur Expansion nötigte.
Ähnliche Verhältnisse bestehen leider auch anderwärts. Viele
europäische Staaten haben schon aus dieser primären Ursache
— abgesehen von den sonstigen politischen Verhältnissen —
Reibungen mit dem Nachbar. Und wenn wir den Blick auf die
übrigen Weltteile lenken, fallen vor allem China und Indien,
dann Japan in die Augen, die eine Überzahl an Volk haben und
bei weiterer Vermehrung desselben auf die Nachbargebiete über
greifen müßten.
Überall, wo eine zu zahlreiche Bevölkerung keine ausreichende
Lebensmöglichkeit mehr findet, tritt der unwiderstehliche Zwang
nach Expansion und damit der Konflikt mit dem Nachbar auf.
Wenn in alten Zeiten ein Landstrich so übervölkert war,
daß er — für die damaligen Verhältnisse — seinen Insassen
nicht mehr genügte, wanderten ganze Völker in günstigere Ge
genden aus, die sie sich durch Kampf unterwarfen.
Die ganze Periode der Völkerwanderung mag recht wohl
auf solche Ursachen zurückzuführen sein. Irgendein übervölkertes
Gebiet Zentralasiens gab den Anstoß, der die Nachbarvölker über
den Haufen warf. Deren Druck pflanzte, sich daun wellenartig
und auf lange Zeiträume verteilt fort, bis endlich wieder relative
Ruhe eintrat.
Heute ist diese primitive Form des Ausgleiches der Be
völkerungsdichte kaum möglich, außer in Gegenden, die noch
von Nomaden bewohnt sind.
Wohl flutet aber in der Form der Einzelauswanderung
ständig ein Menschenstrom aus den Übervölkerungsgebieten in
andere Gegenden. Zur Ruhe kommt die Bevölkerungssituation
eigentlich nie, doch ist diese Bewegung viel zu gering, um der
Volksvermehrung im Heimatlande das Gleichgewicht zu halten.
So müssen die in der Heimat Zurückgebliebenen sich von aus
wärts den Lebensunterhalt verschaffen. Sie brauchen Einfuhr an
Lebensmitteln und Rohstoffen aus dem Auslande. Diese müssen