Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel II. Adam Smith. 
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seiner Kenntnis gekommen. Aber persönlich hat Smith viel mit 
Tusgot und Quesnay verkehrt. In seinen Unterhaltungen mit ihnen 
hat er unmittelbar eine eingehende Kenntnis ihrer Ideen erlangt, 
und man kann sich ziemlich genau vorstellen, welche auf ihn den 
größten Eindruck gemacht haben werden. 
In einer Hinsicht wenigstens hatte Smith nicht nötig, sich von 
ihnen belehren zu lassen, nämlich in der Hinsicht auf den ökono 
mischen Liberalismus, dessen überzeugter Verteidiger er seit langer 
Zeit war. Immerhin hat die Übereinstimmung seiner Überzeugungen 
mit dem glühenden Glauben der Physiokraten ihn nur in seinen An 
sichten bestärken können. 
Dagegen scheint er ihnen ihre so bedeutsame Idee von der Ver 
teilung des Jahreseinkommens zwischen den verschiedenen Klassen 
des Volkes entlehnt zu haben. Seine Vorlesungen in Glasgow be 
handeln vorherrschend die Frage der Gütererzeugung. In dem 
Health of Nations ist der Verteilung ein beträchtlicher Kaum 
ein geränmt. Dieser Unterschied läßt sich kaum anders erklären, als 
durch die genaue Bekanntschaft, die Smith in der Zwischenzeit mit 
aem Tableau economique und der Theorie des Eeinertrages 
gemacht hat. 
Wenn er ihnen aber eine ihrer charakteristischen und folge- 
reic hsten Ideen entlehnt hat, so überragt er sie weit in seiner Ge- 
Sd mtanschauung und aus eben diesem Grunde hat er sie so schnell 
Ver drängt.'Da die Physiokraten von ihrer Auffassung derEolle der Land 
wirtschaft vollständig beherrscht wurden, trübte und verengte sich 
r Gesichtskreis. Sie haben, wmnn man so sagen darf, durch ein zu 
uges Fenster gesehen/ ■ A. Smith hat sich von Anfang an in das 
^ e utrum der Erscheinungen gestellt, auf den höchsten Punkt, von 
°^die Aussicht am weitesten und klarsten istJ 
Die ökonomische Welt, im Bilde einer großen, von der Arbeits- 
. ^g geschaffenen Werkstatt; — die Eeichtumserscheinungen, auf 
ue höhere Einheit zurückgeführt, durch die Betonung eines wesent- 
^ Psychologischen Beweggrundes: des Wunsches der Menschen 
'ny. lc h, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern; — endlich die 
o^^uftspolitik zum ersten Male nicht auf das Interesse dieser 
auf J en er Klasse (des Fabrikanten oder des Landwirts), sondern 
q, , le Berücksichtigung des allgemeinsten Interesses des ganzen 
einwesens gegründet: dies sind die Hauptgesichtspunkte, die das 
Werk beherrschen. 
die w eSe .Gesichtspunkte dienen von nun an als Leitfaden durch 
fühlt lrr W isse ^ er volkswirtschaftlichen Erscheinungen. Instinktiv 
keine I p*H e ^ e it£ en ossen, daß die neue Wissenschaft auf diesem Wege 
emhr lief, in einer Sackgasse zu endigen. Zum ersten Male
	        
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