Full text: Der Zucker im Kriege

20 Erstes Kapitel. Methodologie. 
schiede der Definitionen aufzählen. Welcher Autor aber hat 
hier recht? Ein moderner Nationalökonom wird wahrschein 
lich antworten: »ln gewissem Sinne keiner und in gewissem 
Sinne jeder. Keiner, soweit er den Anspruch macht, die rich 
tige Definition zu liefern. Jeder, indem er eine Definition 
liefert. Hat doch scheinbar jede Definition ihre relative Be 
rechtigung.« 
»Ist dem aber auch wirklich so?« werden andere ein 
wenden. »Führt nicht dieses moderne Prinzip zu völliger 
Unfruchtbarkeit, wenn es ohne Einschränkung angewandt 
wird ? Ein Prüfstein für die Berechtigung einer Definition 
muß doch existieren, wenn nicht alles farblos und be 
deutungslos werden soll? An der Anwendung, den Früchten 
wird man erkennen, ob eine Definition, praktisch genommen, 
wirklich Berechtigung hat. Es ist die Frage, ob wir mit ihr 
weiterkommen in der Erkenntnis der wirtschaftlichen Phä 
nomene. Wer in die Definition des Oeldes etwas hineinkon 
struiert hat, was durch die Tatsachen des wirtschaftlichen 
Lebens nicht gegeben zu sein scheint, oder w r er das Unwesent 
lichste zum Charakteristischen erheben will, dem werden wir 
jene Berechtigung absprechen. Das Urteil über die »Wesent 
lichkeit« ist zwar auch ein subjektives Werturteil, indessen 
hat man in dem sogenannten jüngeren Methodenstreite wohl 
doch erkannt, daß diese Subjektivität keine grenzenlose ist.« 
Gewiß — aber die Subjektivität des »logischen« Wertur 
teils bereitet genug Schwierigkeiten. So erscheint beim 
Geldproblem einmal die Münze, z. B. das Dreimarkstück, als 
das einzig Konkrete, Reale, fest Umschriebene und Unzwei 
deutige. Dann aber taucht der Zweifel auf: ist dieses sicht 
bare Stück Materie wirklich das, was unser Interesse ver 
dient, ist es das Wesentliche der Sache,-oder nicht bloß 
nebensächliche, äußere Erscheinungsform? Worin aber läge 
dann die unsichtbare Seele des Geldes? Etwa doch in der
	        
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