Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

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D. Bekämpfung des Geburtenrüdganges 125 
durchgängig höher ftelle, Leider trifft das aber nicht immer zu. Auch bei Loglöfung 
aus dem elterlichen Haufe Können die 20 Prozent je nad) Lage der Eltern wie der Kinder 
ür einem Falle zu viel, im andern zu wenig fein, und Jegteres wird meiltens zutreffen. 
8 befteht aber die Gefahr, daß mit der gefeglichen Feitfegung der 20 Prozent, die als 
Mindejtzulguß gedacht find, diefe zur Regel werden. Wir erachten deshalb diskre- 
tionäre Vollmachten eines Iugendamtes für zwedmäßiger, mürden aber auch {on eine 
gefeblidge Durchführung des v. Behr Binnowihen Borfchlags al8 einen bedeutungs- 
vollen Fortfchritt zur beffern Sicherung der gerechten Unfprüce der Eltern, zugleich 
aber auch im Intereffe der Bevölterungspolitik und insbefondere auch der Minderung 
der Säuglingsiterblichteit begrüßen. Wie die Kinder [elbit nach Erfüllung der Pilichten 
der Pflege und Erziehung feitens der Eltern noch ein Anrecht auf den gefeglihen 
Milichtteil von deren Nachlaß Haben, fo würden diefe 20 Prozent auch gleichjam den 
Mindeitpflichtteil des Kindes gegenüber den Eltern daritellen. 
XIIL Sparzivang für die minderjährigen Arbeiter 
Der jugendlidhe Arbeiter muß [paren für die Zeit der Ableijtung 
der Militärpflicht, wo ihn ein regelmäßiger fleiner Zu[Huß jehr williommen 
jein wird; er muß e8 aber noch mehr für die [pätere Gründungeines 
eignen Hausijtandes. Diele darf nicht mit Schulden und Abzah- 
(ungsquoten beginnen, vielmehr muß neben einer ausreidenden und deftigen 
Ausitattung des neuen GHeims aud) noch ein anftändiges Sparkapital 
zur Ausgleidung der mit der Kinderzahl anwadhfenden Ausgaben und Für 
bejondere Notfälle in die Che mitgebracht werden. G muß Jich die Hamilie 
au gleich fo einrichten, daß fie nicht auf den Mitverdienjt der Frau an- 
gewiefen ijt. Wenn und foweit diejer in der erjten Zeit noch möglidh ft, 
muß er dringlichit für fOmwierigere Beiten zurücgelegt werden. Die fo 
in den Jugendjahren aufgelegten Entjagungen Tohnen fi reichlich in den 
<Yahren der jteigenden häuslichen Sorgen, wie umgekehrt {päter in der 
Stunde der Not die oft fo leichtfinnigen Ausgaben diejer oder jener Ges 
fegenbheit in frühern Jahren fich in bittern Vorwürfen in die Erinnerung 
eingraben, 
Die Jugend muß fparen: einen andern Weg der Löfung des brennend- 
item Problems der Arbeiterfrage (fiebe oben S. 22) aibt es nicht. Sie 
fannaberandH[paren. SGewiß, der erjte Verdienit gehört den El- 
tern, und noch dringender als die Borjorge für die Zukunft ijt die NWbiragung 
diejer Dankesjehuld. durch ausreichende Verforgung des elterlidhen Sau» 
Haltz und der jüngern nichterwerbäfähigen Sejchwilter, Sobald aber 
der VBerdienft reicher wird ober gar mehrere Kinder am Verdienen find, 
dann Kann und muß an regelmäßige und Höhere Einlagen gedacht werden. 
Nur fo Kann die wirtjhaftliche Grundlage für die Kommende Generation 
gefidhert werden. Das Sugendfparbuch gibt die Möglichkeit, den Mut 
und die Kraft, audh eine reidhere Kinderfdhar als Gejdhent Gottes freudig 
entgegenzunehmen. Leider, daß die Jugend felbjt diefe Notwendigkeit 
zeitiger Borforge felten einfieht. Sie denkt nur an daz Heute und lebt
	        
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