138 GHite, SGeburtenrüdgang und Sozialreform
rung und Stärkung für dringlich erachten, irgendwie zu einer befriedigen»
den Qöfung zu bringen. Das {ft ein Schaden, der aud) wieder auf die Städte
zurücwirkt. Umgekehrt liegt e& im Ddringenditen Interefje der Stähte
und des ganzen Landes, den Yungbrunnen unjeres VBolkstum3, das find
unfere Landgemeinden, zu ftärken. und diefe fo in den Stand zu eben,
un8 in jteigendem Maße nicht bloß Brot und Heid, Jondern auch gefunde,
Irohe, leiftungs[ähige Menfdenkinder zu geben.
Nehmen wir nur die Vo lFS[Hullaften, fo betrugen diefe 3. B. in Preußen
(1911) über 480 Millionen Mark, auf jedes Kind etwa 64.1 Nun kommen aber 61 Pro-
zent diefer Kinder auf LandiHhulen, während der Anteil ber Landbevölferung bloß
47 Prozent beträgt.!) E3 wird gern anerkannt, daß der Staat viel zum Ausgleich durch
Unterftügungen der Schulbauten ufw. tut, aber die Vorbelaftung des Landes {ft und
bleibt jtart. E83 ijt eine berechtigte Forderung der Eltern wie der Gemeinden, daß
bie Schule Beranftaltung der Gemeinde bleibt, aber der Staat muß einen gerechten
Ausgleich der Lajten übernehmen. Vielleicht Könnte diefes in Form von ZufjHüffen
für jedes Schulkind gefhHehen. Dasfelbe gilt für die Armenlajten, Diefe Haben ja
vor allem durch die Arbeiterverficherung, danız aber auch durch Übernahme beftimmter
Laften (für Taubjitumme, Blinde, Geiftesfranke ufw.) auf den Staat (Provinz) eine
wefentliche Erleidterung erfahren. Diele Politik muß zielbewußt weitergeführt werben,
So könnte der Staat vielleicht einen Teil der Koften für die Waifen, die Unehelihen
ufw. übernehmen. € Könnte zugleich ein Ergänzungs- und Ausgleichfonds gefhaffen
werden, wie e8 jebt im Ariene für die Kriensfürforne in weitem Make gefchebhen ift.
XVYI. Allgemeine gejeblidhe Erziehungsbeihilfen
Die Geburtenvermehrung ijt die erfte und notwenbdigjte „Kriegs-
rüftung“. Die Unterftügung der weniger bemittelten Eltern bei drei und
mehr Kindern kann auch als Pflicht der nationalen Solidarität betrachtet
werden. Sie dient gewiß nicht minder dem Gemeinwohl, wie Verbefje-
rungen der landwirt/Haftlichen Produktion, Bau von Wegen, Meliorationen
uf. Deshalb läßt jich die Forderung auf die Bereitftellung großer Mittel
für die Hebung des Bevöllerungswachstums wohl rechtfertigen. Unfere
vorzügliden Volksjhuleinrichtungen find ja au der Ausdrud des Ge«
dankens, daß foldhe Koften reichlich Lohnen. So ijt e& gewiß verftändlich,
wenn fallt alle Schriftjteller, melde fich mit dem Problem des Geburtenrüg-
ganges befhäftigen, eine fyYjtematifde und ftarke Beteili-
gungde3Z Staatezoderdez Reidhesanden Koften der
Rinderaufzucdtfordern: Manche jehen Hierin das einzig fichere
Mittel, dem nationalen Niedergang zu jteuern.
Wohl am weitelten geht Profelfor Dr. Grau ber (Münden).?) Er will,
daß foldhen Ehepaaren, welde die beftimmte perfönlide Qualifikation
und drei oder mehr lebende, normale (d. 9. nicht abrormale) ehHeliche Kinder
unter 14 Yahren befigen, während diefer Zeit ein Erziehungsbeitrag ger
Zeiftet wird, welher annähernd den Aufzuchtskoften eines Kindes ent{pricht,
1) Crhaltuna 175, % 58.