Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

D, Bekämpfung des Geburtenrüdganges 205 
mie fie felbit {ich für die zukünftigen Aufgaben ihres Berufs und ihrer Familienftellung 
vorzubereiten haben. Wie fidh fhon in dem Spiel mit der Puppe der zukünftige 
Mutterberuf bekundet und betätigt, fo foll auch in dem Unterricht der Schule, in der 
Vektüre, in Vorträgen, Aufführungen und Kurfen uf. der Iungfrauenvereine und 
‚fongregationen diefer Sinn der Mütterlichkeit gewedt und gepflegt werden. Cchie 
Sottesfurcht und Gottesliebe, aber nicht als VBorftellung und Gefühl, fondern in 
techter praktifcher Betätigung des tagtäglidgen Lebens muß das Ziel fein, 
Neben den normalen Mitteln der Seelforge bürfen auch die au kerordent 
(then nicht vergeffen werden. In diefer Beziehung kommen vor allem die geiftlichen 
Ererzitien und Mijfionen in Betracht. Wie die tiefgreifenden, erfhütternden 
Wahrheiten der Religion, die [yftematifdj geordneten Betrachtungen über unfer fettes 
Biel, über Tod, Gericht, ewige Verwerfung oder Seligkeit, über das Leben und Leiden 
Shrifti, die ernijte Selbfitprüfung und Einkehr im Bußgericht, die innere Verföhnung 
und der wiedergewonnene Seelenfrieden Erneuerung und Verklärung auch in die 
Samilien Hineintragen und für die Erfüllung der Pflichten in der Familie [ih frucht- 
bar erweifen, wird Heute auch von denen feitgeftellt, die fie bloß in ihren Wirkungen zu 
beurteilen vermögen, wie fie 3. B. in der Geburtenftatijtik nad) den Vollsmilfionen 
segelmäßig zur Erfheinung fommen.!) Anderfeitz ift das für ung der Beweis, wie die 
Todfünde der Zeit auch in Katholilden Vollsteilen [Hon verhängnisvoll einfeßt 
nd wie notivendig auch die auferordentlidhen Mittel der Seelforge [ind. — Voll 
miflionen können nicht alljährlich ftattfinden, aber wohl Können in der Zwildhen- 
zeit Standespredigten durch befonders berufene und gefdhulte Redner — am beften 
erfahrene Orbensmänner —, je für Unverheiratete und Cheleute, gehalten werden. 
Wenn einmal bie Friedensgloden läuten, wird auch die Zeit gelommen fein für die 
große allgemeine innere religiö8s-fittlide „Neuorientierung“ durch 
Bolksmiffionen und Ererzitien, . 
Daß der Geiftliche überall dort, wo e8 gilt, praktifHe Hilfe und Förderung den 
Familien zu bieten, insbefondere in der Mo hHlfahHrt8 pflege, der Armenfürforge, 
in den gemeindlidhen fozial-caritativen Organifationen und Einrichtungen nicht bloß 
[reubdige Mithilfe leitet, fondern auch, wenn notwendig, felbjt anregt, die Wege ebnet, 
mit Nat und Tat die Beftrebungen fördert, {fl, foweit der gute Wille in Betracht kommt, 
gewiß felbjtverftändlidh. Wichtiger aber ift noch, daß der Geiftliche fich auch durch Bücher 
und Beitfchriften, hurg Teilnahme an entjprechenden Tagungen, durch Reifen und 
perfönliden Austaufg mit den Beftrebungen bekannt und fte für feine Gemeinde 
in der rechten Weife mugbar macht. Auch in den Dekanatskonferenzen 
der Seiftlihen follten neben den fpeziell feelforgliden Fragen gelegentlidh auch durch 
fundige Redner dıefe pofitiven Maßnahmen der Wöchnerinnenfürforge, der Säuglings- 
hflege, der häuslidhen Erziehung, der Wohnungsfrage uw. behandelt und beraten 
werden. In PfarrbiblkiothekundLefemap pe darf ebenfo eine entiprechende 
Literatur nicht fehlen, In größern Städten beftehen ja meiftens die ent{prechenden Cin- 
richtungen fHon und bedarf es nur der freudigen Mitarbeit und der Gewinnung der 
Pfarrkinder zu entfpredender Unterftügung und Benugung. Anders aber auf dem 
Bande und in der Keinftabt, Hier wird dem Pfarrer vielfacd) auch die erfte Unregung 
) Sal. Borntraeger161. Schon der Umitand, daß Borntraeger in erniter 
Würdigung der Bedeutung des yofitiven Chriftentums auch der Wirkfamfkeit ber 
latholiidhen Kirche gerecht wurde, genügte einer gewiljfen Preffe, ihn als „Katholiken“ 
jr verbächtigen. Borntraeger hat felbit [don Gelegenheit genommen, [ih al8 treuen 
Anhänger der evangelijichen Kirdhengemeinfhaft zu bekennen. — Kreisarzt Berger 
Crefeld) gibt zahlreidhe Belege der Wirkungen der Voltsmifflionen (Vorniraeger 
a, a. 9.).
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.