Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

32 Hibe, Gedurtenrücdgang und Sozialrefornt 
Befahr erhöht jid) aber hei der herufsmüäßigen tagtäglidhen Beichäftiguug 
der LohHnarbeiterinnen in der Judufirie wie in Handel und 
Verkehr. 
68 wurden Lohnarbeiterinnen (ausichließlich der mitheljenden Familien- 
angehörigen) beichäftigt in 
1895 
Indujttie . . . 948 328 
darunter verheiratet . . 139311 
Handel und Verkehr . . 270 478 
darunter verheiratet . 16201 
1907 
1 456 808 
269 097 
374 045 
31 395 
Dazu famen noch die weiblidgen Angeltellten in 
1895 1907 
Induftrie . . . +04 3324 63 936 
darunter verhertatet . . ‚774 3212 
Dandel und Verkehr . . . - 11 987 - 79 689 
darunter verheiratet . . - 640 2345 
Mag diefer Zuwachs auch wieder zum Teil auf [härferer Zählung beruhen, jedeu- 
Falls ijt die Vermehrung ganz außerordentlich, und fie ift feit 1907 noch progreffiv 
geftiegen. Da 1907 die legte Gemverbezählung ftattgefunden hat, fo ijt das fteigende 
Wachstum im lebten Jahrzehnt nicht erweislich. Wohl aber ergeben die Berichte der 
Sewerbeinfpektoren, daß 3. 3. 1913 allein fchon auf die fabrikmäßigen Betriebe (mit 
10 und mehr Arbeitern) mehr Arbeiterinnen entfielen, al8 1907 überhaupt in den 
gewerblichen Betrieben (einfchließlich der $einbetriebe) belhäftigt wurden. Diefe 
Babhl ftellte fih 1913 auf 1592 138. Davon waren 6158 noch nicht 14 Jahre alt, 
180 859 14 bi8 16 Jahre, und 547 095 16 bis 21 Jahre alt. Die meiften. Arbeiterinnen 
famen auf die Tertilindufirie: 520 769, Befleidungsinduftrie: 308 655 und Nahrunas- 
und Genußmittelinduftrie: 213 762. 
Alio mehr al8 16 Millionen Arbeiterinnen werden 
in Fabrifen voll und- regelmäßig, jahraus, jahrein befchäftigt. Die Be- 
ihäftigungsdauer beträgt täglich zehn Stunden, ungerechnet die Paujen, 
ungerechnet den Weg von und zu der Fabrik morgen3, mittags und abends 
Nur am Sonnabend verkürzt Jidh die Arbeitszeit um zwei Stunden. Die 
Bejhäftigung vollzieht Jich meijlten3 in Bedienung von Maijcdinen, die 
eine intenjive. und dauernde Anfpannung der Muskeln und Nerven er- 
fordert. Dazu konımt der Aufenthalt im Lärm und Ölgeruch der Ma- 
fhinen, die Überfüllung des Arbeitsraumes mit Menfchen, Majdhinen und 
Arbeitsmaterial, der vielfach in Lungen und Atmungsorgane eindringende 
jHäsliche Staub, ungefunde Ausdünftungen, vielfach feuchte und wechfjehude, 
oft überheizte Temperatur ujp. Oft Handelt 23 fig um Verarbeitung 
von giftigen Materialien oder um Arbeitsprozefle, die befondere Ge- 
fährdungen der Gefundheit mit fid) bringen. Auch jeeli{ch mwibderjirebt 
die Fabrikbefhäftigung den weibliden Anlagen und SGemütsbedürfniffen. 
Bei weitgehenbiter Arbeitsteilung bleibt fein Raum für Wechjel und per- 
jönlidhe SGeftaltung der Arbeit; fie erfhöpft ich in der Iteten medhaniicheit
	        
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