D. Bekämpfung des Geburtenrücdganges 58
b) Unjere ganze Lebensführung bedarf der Meforın im Sinne der
Rückiehrzur EinfadhHeit und zur Natur. Der Krieg Hat
ia auch hier mieder zur Befinnung und Einficht gebracht.
Wir wilfen heute, daß wir bisher zu viel für UMNohol uud Nikotin ausgegeben Haben
und daß auch bei weniger fich recht wohl leben Jäßt, daß da fogur der Kopf heller, der
Aörper elajtijdher und die Seele freier bleibt. Wir Haben am eignen Leibe erfahren,
aß Brot —- bejonder8 das gefunde, kräftige Roggenbrot —, Kartoffeln und Gemüfe
auch fon eine gefunde Nahrung darjtellen, und daß ein Stück Sleifcdh zwar eine ganz
ıngenehme und zwedmäßige Zugabe, aber durchaus nicht die Hauptfacdhe bildet. Zeit:
meiliger Mangel und Knappheit haben felbit die früher vft veracdhtete Kartoffel wieder
zu hohen Chren gebracht. Leider, daß auch die Mehlipeijen, Hülfenfrüchte, Reis, Eier,
Wild und vor allem Fett vielfach fehlten oder Inapp bemeffen waren, fonft würden
menigftens die Haushaltungen, in denen eine tüchtige Hausfrau waltet, mit der Min-
derung des Sleifchgenuffes und den MNeifdhloflen Tagen fidh verhältnismäßig leicht ab-
zefunden Haben, Jedenfalls Hat ih beitätigt, morüber die medizinijhe Wiffenfhaft
'hon vorher einig war, daß wir unfjere Nahrung vor dem Kriege viel zu fehr auf die
WHeifchnahrung eingeitellt Hatten. Hatten wir mit.54 Kilvoaramm Fleiflch auf den
Kopf der Bevölkerung doch felbit England (mit 52 Kilogramm) bereits überholt. Die
Wendung der AnfhHauungen der Wiffen[hHaft Hatten beiden obern Zehntaufenden
'hon früher einen jtarfen Umfdhwung herbeigeführt: — Hoffentlich dringt diefe auch
u den breitern Volksichihten dur. Das würde zunächft im Interejle der SGelhund-
heit Kiegen. Eike Reihe von modernen Kulturkrankheiten (Arterienverfaltung, Herz-
'eiden, Gicht ufw.), die das Leben der SGebildeten und Befikenden verkürzen, find
rc) den {jtarfen Sleildgenuß verurfacht. E83 würde aber auch eine Verbilligung
der Lebenshaltung bedeuten und zugleich auf eine Herabdrüdung der Preife wirken,
io daß auch die untern Schichten, die Heute des Sleildhgenujfes mehr oder weniger
ztbehren müffen, mieder daran teilnehmen Könnten. Eine fole Reform der Küche
vürde vor allem den kKinderreiden Familien zugute fommen, Die Rriegsnot hat auch
rei Schuhen und Kleidung nicht Haktgemucht. Leder und die Rohjtoffe der Bekleidungs-
'ndujtrie wurden mit Belchlag belegt. Wiederum ein praktiicher Kurfus in der umlich-
‘gen Behandlung von Schuhen, Kleidern und Wäldge! Und überrafjhend, wie viek
1 da [paren läßt! Selbit in den Haushaltungen, die die von der Grokmutter {o
Jodhgefhäbte Flidkunit Falt ganz vergeffen hatten, Fommt fie wieder zu Ehren. Und
ie Hüb[h das von der Mutter eigenhändig und forgjamı geflidte Hischen, das fauber
zetvafdhene und gebügelte Kieiddhen {teht! Und wie durch die Benagelung der Schuhe
ie doch hHalktbarer werden! Und mie dankbar und lieb der Vater (Haut, daß Mutter
ınd Töchter aus Nückjicht auf die fHhmere Kriegszeit von der NeuanfHaffung des Hutes
ıbfehen und es fo [dön verftanden Haben, durch geldhidte Garnierung der Mode etwas
1aczuhelfen. Umgekehrt bleibt aber auch der Vater nicht an Opferfinn zurüc, indem
ar auf die gewoHnte Erholungsreife verzichtet und ftatt deffen in den Ferien jeden Tag
air Frau und Kindern erfriiHende fröhlidge Spaziergänge in Wald und Flur madt.
Bielleicht findet er, daß das doch auch eine Erholung und Auffrijgung der Kräfte
bringt, dagegen mande Ärger ob überfüllter Abteile, verregneter Tage und über:
inrdernder Nechnungen erfpart bleiben und jedenfall® al Neingewinn ein inniaerer,
yarfbarerer Anfhluß von Frau und Kindern [ich ergibt.
Weile Wunder endlidh wiffen unfere Krieger zu erzählen über das, mas der
Menficdh aushalten kann! Troß anftrengendfter Märfche, troß Näfje und Nälte, wos
ber einfachen Beköltigung, oft genug von Hungertagen unterbrochen, fehen unfere in
Urlaub heimfehrenden Krieger frifch und gefund aus. Kein Scmupfen, Feine Erkältung,
fein Mbeumatismus Selbit folche, denen Qunae und Herz Surae machten. reden