fullscreen: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

R. Owen. 
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der Menschheit anpreist. Es sollen Dörfer gegründet werden, 
in denen zunächst die Armen und unbeschäftigten Arbeiter 
Aufnahme finden. Die Dörfer sollen nicht aus Einzelhäusern, 
sondern aus grossen Gebäuden in Mitten von Gärten bestehen ; 
da. sollen die Erwachsenen in 8 Stunden täglich Ueberfluss 
an Allem, was sie brauchen selbst erzeugen, die Kinder aber 
sollen erzogen und gebildet werden, — wobei sie charakte- 
ristischer Weise Geschichte nur lernen sollen, um ihr Glück 
mit den Missständen der Vergangenheit zu vergleichen, Ein 
gewählter Ausschuss soll ohne Strenge und Strafen die Diree- 
tion in der Hand haben. Wenn einmal der Versuch gemacht 
Sei, sei es, dass der Staat oder ein Privater den nöthigen 
Vorschuss leiste, sei es dass sich Leute mit einigem Ver- 
mögen zur Gründung solch eines Etablissements zusammenthun, 
so würde der Erfolg die Verallgemeinung des Systems ganz 
von selbst herbeiführen. 
Owen ist also jetzt extrem socialistischer Weltverbesserer 
geworden; er gründet ein „New State of Society Enrolment 
office“ und bezeichnet ausdrücklich das System individualisirter 
Thätigkeit, also den Individualismus als den Gegensatz zu 
Seinem System der Liebe und gegenseitigen Cooperation, 
So sehr wir Owen’s Vorschläge als Utopien und Illu- 
Sionen zurückweisen müssen, so sehr die ewigen Wieder- 
holungen in seinen Schriften und Reden anwidern, sein 
Selbstvertrauen lächerlich ist — dennoch ist es noch heute 
unendlich lehrreich, seine Ideen genau zu verfolgen. Denn 
keiner der sogenannten Socialisten zeigt So deutlich wie 
Owen, dass Socialismus und Socialdemokratie nicht "iden- 
tisch sind. 
Owen erkennt die Leiden des grossindustriellen Pro- 
letariats — aber er predigt keinen Classenhass, sondern 
er will Alle versöhnen und Allen Gewinn bringen. Er spricht 
nicht von gerechter Gütervertheilung , von dem Recht des 
Arbeiters auf den vollen Ertrag seiner Arbeit, sondern er 
Preist nur die Ueberlegenheit der colleetiven Production 
über die individualisirte, er will, dass die Menschen aufhören, 
Sich gegenseitig als Feinde zu betrachten und dass sie sich
	        
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