Full text : Aktive Währungspolitik

43

Wenn  die  preise  sinken.

kommen  die  Emissionsbanken  durch  vermehrte  Notenausgabe  entgegen.  Die  prkvattauschmittel
(Wechsel)  gewinnen  an  Kredit,  weil  die  Hausse  die  Schuldner  allgemein  begünstigt.  Sie  vermehren ­
  sich  parallel  zur  Hausse  und  zur  Ausgabe  von  Banknoten.  Die  nun  ganz  ausgesprochene
Hausse  beschleunigt  die  Umlaufsgeschwkndkgkeit  des  Geldes.
Und  ist  diese  Preissteigerung  für  alle,  die  an  die  deutsche  Reichswährung
glauben,  für  alle,  die  mit  dem  „festen  inneren  Werte  der  Mark  der  RW."
aufgezogen  wurden,  nicht  ein  einwandsfreker,  schlagender  Beweis,  das;  das
Angebot  von  Waren  zu  gering  ist,  daß  die  Produktion  vermehrt  werden,
daß  man  mit  Überstunden  arbeiten,  daß  man  den  Betrieb  erweitern  soll?
Man  spricht  von  Uberfpekulation,-  aber  woran  soll  sich  denn  der  Unternehmer
für  die  Abschätzung  des  Bedarfes  an  seinen  Waren  halten,  wenn  nicht  an
die  preise?  Wem  kommt  es  denn  in  den  Sinn,  anzunehmen,  daß  die
Preissteigerung  nur  das  äußere  Zeichen  des  inneren  Bankerotts  der  Emissionsbankpolitik ­
  und  der  Währung  ist?  Hans  Biedermeier  würde  solchen  Verdacht
einfach  für  eine  Sünde,  ein  Verbrechen  halten.  Wer  darf  es  annehmen,  daß
die  Preistreiberei  keinem  wachsenden  Konsum,  sondern  einer  Währungspfuscherei
zuzuschreiben  ist,  und  daß  infolgedessen  gar  kein  Anlaß  vorliegt,  sich  für  eine  Fortdauer ­
  der  großen  Nachfrage  durch  Erweiterung  der  Fabrikanlagen  einzurichten?
Man  bezeichnet  es  als  einen  Geniestreich  des  Direktors  der  Allgemeinen  Elektrizitäts-Gesellschaft
  Berlin,  dass  er  z.  Z.  der  großen  Hausse  1899/1900  die  Anlagen  nicht,  wie  es  seine
Konkurrenten  taten,  durch  Neubauten  erweiterte,  sondern  durch  Einführung  der  dreifachen  Schicht
(3X8  Stunden)  die  stürmisch  wachsende  Nachfrage  zu  befriedigen  wußte.  Der  Direktor  wußte,
daß  es  sich  nur  um  eine  Eintagsfliege,  um  eine  gewöhnliche  Währungspfuscherei  handelte.
Nur  wenige  sind  es,  die  solchen  Verdacht  hegen,-  nur  wenige  sind  es,
die  die  große  Nachfrage  auf  die  verschwenderische  Notenausgabe  zurückführen,
nur  wenige  sind  es,  die  sich  vor  der  Katastrophe  zu  retten  wissen,  die  bald
genug  hereinbricht.

Wenn  öle  Preise  sinken.
Das  Geld  ist  kein  lebloser  Gegenstand,  wie  etwa  die  goldene  Kette,
die  den  Leib  des  Mctzgermeisters  schmückt.  Das  Geld  ist  auch  nicht  das  passive
Ding,  das  die  Währungslitcratur  aus  ihm  machen  möchte  (s.  Knapp*).  Das
Geld  hat  Kräfte,  ungeheure,  merkamotorische  Kräfte  (Verschleißkräfte),  die,  je
nachdem  sie  gefesselt  oder  nutzbar  gemacht  werden,  ein  Land,  eine  Welt,  ein
Zeitalter  zu  ungeahnter  Blüte  oder  in  den  Abgrund  treiben  können.  Von
der  Verfassung  des  Geldes  hängt  es  ab,  ob  die  Mutter  aller  Kultur,  die
Arbeitsteilung,  lebt  oder  stirbt.
Der  Arbeiter  singt  zwar  sein  billiges  Liedchen:
Alle  Räder  stehen  still,
Wenn  mein  starker  Arm  es  will.
Aber  vorläufig  ist  das  noch  Zukunftsmusik.  Diese  Macht,  die  Räder  zum  Stillstand ­
  zu  zwingen,  hat  heute  nur  einer  km  Lande,  und  das  ist  die  Emissionsbank.

*)  Die  Börsenspekulanten,  Börsenkönkge,  die  sogen,  „baute  ürwrice"  haben  natürlich  das
größte  Interesse  daran,  solche  Literatur  zu  unterstützen.  Mit  seiner  Theorie  des  Geldes  hat  Marx
die  rote  Garde  direkt  vor  Mammons  Tempel  ausgestellt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.