§ 3. Geographie der Gütererzeugung.
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begründet und es sind bekanntlich oft die kälteren Gewässer, die
sich durch besonders großen Fischreichtum auszeichnen. In dieser
Beziehung besitzen wir bereits gutes Beobachtungsmaterial, aber es
fehlt noch die einheitlichere Gestaltung der Bearbeitung nach der
Art, wie die Produktion des festen Landes verzeichnet zu werden
pflegt.
Die Luft ist dasjenige Element, von dem das gesamte Wirt
schaftsleben der Erde in viel höherem Grade abhängt als von den
beiden anderen. Denn die Pflanzenwelt verdankt ihre wichtigsten
Verschiedenheiten der Einzelformen wie des gemeinsamen Auftretens
von solchen ganz vorwiegend dem Klima, und wenngleich die Tier
welt von diesem in geringerem Grade abhängt als die Gewächse, so
ist sie mittelbar in ihrer Ernährung doch wieder von den klimatischen
Unterschieden abhängig. Ja, schließlich steht auch der Mensch diesen
nicht unabhängig gegenüber; wie schon das oben gegebene Beispiel
der Kohle in Südafrika zeigt, wird je nach der Landschaft sein Be
darf an bestimmten Dingen und sein Verbrauch auch unmittelbar
von der Natur seines Wohnsitzes bestimmt. So gelangen wir zu dem
Standpunkte, im Klima sowohl großer Erdgebiete, wie auch in dem
jenigen kleinerer Landschaften die Hauptursache der Verschieden
artigkeit der Gütererzeugung (bei sonst gleicher Kulturhöhe) zu er
blicken. Wir müssen daher bei der Bedeutung des Gegenstandes
die einzelnen klimatischen Faktoren berücksichtigen, um ein Bild
ihres jeweiligen Einflusses auf die Gütererzeugung zu gewinnen.
Zunächst ist es derjenige klimatische Faktor, der auch auf unseren
Körper am unmittelbarsten wirkt, dessen Einfluß auf die Produktion
uns interessiert, die Temperatur der dem Boden aufliegenden Luft
schichten. Ihr unmittelbarer Einfluß auf die wirtschaftliche Bedeutung
der Tierwelt beschränkt sich freilich auf diejenigen Gattungen und
Arten, deren Haarkleid für den Handel in Betracht kommt. Hier
vermögen wir unmittelbar von der Erzeugung bedeutender wirtschaft
licher Werte durch die Winterkälte zu sprechen. Diese ist übrigens
in ihren wirtschaftlichen Wirkungen der erwähnten Art keineswegs
auf den hohen Norden beschränkt. Vielmehr können wir, freilich in
viel kleinerem Maße, ähnliches auch in winterkühlen Gebieten an und
für sich warmer Erdgegenden beobachten.
Beispiel: So unterscheidet sich das Winterfell gewisser Kaubtiere im außer
tropischen Hochlande von Südafrika sehr erheblich von den Fellen der gleichen
Arten in den tropischen Teilen dieses Kontinents. Es zeichnet sich vor diesem
durch eine viel größere Dichte der Behaarung und durch schöneres Aussehen aus,
und diese Eigenschaft der Jagdbeute hat dazu geführt, daß hier in viel größerem
Umfange als sonst irgendwo in Afrika Tierfelle von den Eingeborenen verarbeitet
werden und daß auch die Felle kleiner Raubtiere, wie der verschiedenen Schakal
arten, seit langem einen begehrten Handelsartikel im Verkehr der Eingeborenen und
neuerdings selbst der Europäer bilden.
Von der Entwicklung des Haarkleides abgesehen, kann man der
Lufttemperatur keinerlei direkten Einfluß auf den Handelswert von
Erzeugnissen der Tierwelt in größerem Umfange zuschreiben.
Höchstens verdient ihre Bedeutung für den Transport von Nahrungs
mitteln tierischer Herkunft noch eine Erwähnung, die z. B. den Ver
trieb von Fischen in manchen winterkalten Ländern während eines
Teiles des Jahres bedeutend erleichterte. Doch das sind mehr oder
weniger Angelegenheiten des Lokalhandels, die sich an Bedeutung in