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einem Menschen oder einem Thiere, dessen Hunger durch ein
bestimmtes Speisemaß für eine längere Zeit gestillt bleibt, son
dern eher einem Ungethüm, welches mit jeder augenblicklichen
Befriedigung seines Heißhungers nur desto unersättlicher wird.
Es liegt auf der Hand, daß die verschiedenen Nationen in
dem unablässigen Streben nach Erweiterung ihrer Absatzmärkte
bald mit einander in Kollision gerathen muffen und sich so ein
fortwährender Kampf unter ihnen entspinnt, welcher im Grunde
ebenfalls nichts anderes ist als ein Kampf um den Grund und
Boden. Dieser Kampf um die Absatzmärkte für die nationale
Arbeit ist in gegenwärtiger Periode der geschichtlichen Ent-
Wickelung eine der wichtigsten Formen des allgemeinen Kampfes
um den Grund und Boden. Wenngleich eine Nation, welche
der Gewalt der Waffen entbehrt, auch in dieser indirekten Form
des bezeichneten Kampfes auf die Dauer schwerlich zu be-
stehen vermag, so giebt hier jedoch keineswegs das Schwert allein
den Ausschlag, sondern vorzugsweise der Fleiß, die Geschicklich-
keit und die Intelligenz der mit einander ringenden Völker.
Offenbar kann jedoch die Vermehrung eines Volkes innerhalb
desselben Gebietes nur bis zu einer gewissen Grenze fortschreiten,
so daß der direkte Kampf der Nationen um den Grund und
Boden durch den indirekten niemals ganz aufgehoben wird.
Die Größe einer Nation ist nicht nur ein Zeichen, daß sie
sich lange Zeit hindurch anderen Nationen gegenüber siegreich
zu behaupten wußte, sofern diese letzteren nicht im Stande
waren, ihrer Vermehrung und Entwickelung Einhalt zu thun.
ihre Größe ist außerdem auch ein mächtiges Hülfsmittel für sie
in dem großen Völkerkampfe, denn von zwei feindlichen Heeren
gleicher Qualität ist das zahlreichere stets auch das mächtigere.
Je größer eine Nation ist, desto mächtiger ist sie. Keineswegs