Full text: Psychologie der Werbung

gehört auch ihr Hang zur Bequemlichkeit. Der Kaufmann muß 
daher bestrebt sein, die gewollte Reaktion des Publikums auf 
seine Reklamen möglichst bequem zu gestalten. 
‘Die eigentlich selbstverständliche Tatsache, daß die gewünschte 
Einstellung ausbleibt, wenn das Publikum ärgerlich oder ver- 
drießlich gemacht wird, pflegt noch viel zu wenig beachtet zu 
werden. „Telegramme“, deretwegen man zwanzig Schritte geht 
und die dann Seife od. dgl. ankündigen, verlangen vom Leser eine 
viel zu schnelle Umstellung, als daß er darüber nicht ärgerlich 
werden sollte. Die Zusendung ungebetener Waren, die dann zu- 
rückgeschicekt oder bezahlt werden sollen, erscheint uns meist 
im besten Fall als Belästigung oder als unsympathische Beein- 
trächtigung unserer Selbständigkeit. Auch mit Bücheransichts- 
sendungen an Interessenten, die schon ihre festen Beziehungen 
zum Buchhandel haben, sollte man sehr vorsichtig sein. Vor 
vielen Jahren sandte mir ein Sortimenter trotz wiederholter 
Bitten, die Ansichtssendungen einzustellen, doch immerzu wieder 
neue Bücher, mit denen ich dann nur Scherereien hatte. 
Da, wie wir im vorigen Abschnitt sahen, die Menschen in ihren 
Ansichten wenig selbständig sind und dazu neigen, ihre Werturteile 
nach denen anderer einzurichten, ist auch die Wiederholung von 
Werturteilen in der Reklame vorteilhaft. Die meisten, die immer 
und immer lasen, daß van Houtens Kakao der beste sei, glaubten 
es wohl schließlich selbst; jedenfalls waren sie geneigt, dieses Ge- 
tränk als ein gutes anzusehen, ohne daß sie es mit anderen Kakao- 
sorten verglichen hätten. Schon das einmalige Lesen von ge- 
druckten Reklamen, die Werturteile enthalten, wirkt aber wegen 
der Autorität des gedruckten Wortes auf viele Menschen bestim- 
mend ein, und zwar besonders dann, wenn die Reklamen im re- 
daktionellen Teil der Zeitung erscheinen, dem eine höhere Be- 
deutung zugemessen zu werden pflegt. Ich habe mich immer dar- 
über gewundert, wie viele Menschen sich bei der Frage, ob sie ein 
Theaterstück besuchen sollen oder nicht, nach der Zeitungskritik: 
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