Object: Wissenschaftliches Arbeiten

Hilfsmittel: Innere Kriterien , 
lichen Seite hin reichen Stoff für die Kenntnis und Bewer- 
tung des Textes liefern. 
1. Sprache und Stil helfen zunächst a) bei der Er- 
mittlung der Entstehung eines Textes; denn die Kenntnis der 
geschichtlichen Entwicklung einer Sprache befähigt uns, 
aus dem Vergleich einer fraglichen Schrift mit solchen, 
deren Ursprung bekannt ist, Zeit und Ort der Abfassung 
innerhalb gewisser Grenzen zu bestimmen und mit mehr 
oder weniger Wahrscheinlichkeit den Autor festzustellen. 
b) Ebenso können wir aus dem bekannten Stil und 
Charakter der Sprache eines Autors auf die Echtheit oder 
Unechtheit fraglicher ihm zugeschriebener Werke einen 
Schluß ziehen. Die Sprache eines Chrysostomus, Tertullian, 
Augustin ist so charakterisch, daß man die fälschlich ihnen 
beigelegten Schriften in vielen Fällen leicht von den echten 
unterscheiden kann. Niemand wird auch Schriften von Luther 
und Goethe, oder von Pascal und Franz von Sales mit- 
einander verwechseln. 
c) Schon die sprachliche Seite, der Wortschatz, Sprach- 
gebrauch und Stil eines Textes kann aber auch für die 
Untersuchung der Texterhaltung von großer Bedeutung sein 
und selbst für die Beurteilung des Charakters eines Schrift- 
stellers uns wertvolle Fingerzeige geben. 
Mit Recht. wird jedoch vor Überschätzung solcher Feststellungen 
und Urteile, die allein auf den sprachlichen Charakter einer Schrift 
Rücksicht nehmen, gewarnt. Denn gerade die sprachliche Eigentüm- 
lichkeit einer Schrift ist gewöhnlich am meisten dem verderbenden 
Einfluß der Überlieferung ausgesetzt. Selbst wenn wir aber auch eine 
alte Schrift in ihrer ursprünglichen Sprachgestalt besitzen, ist es doch 
immer eine sehr schwierige Sache, aus der Sprache allein Zeit und Ort 
und Verfasser genauer zu bestimmen. Die Unterscheidung des Gemein- 
üblichen und des eigenen Sondergutes im Stil und in der Sprache 
einer Zeitperiode wie eines einzelnen Schriftstellers ist eine so delikate 
Sache, daß Mißgriffe und Fehlschlüsse nur zu leicht vorkommen können 
und nur zu off vorgekommen sind. Selbst wenn wir eine „genaue 
Statistik und Geschichte aller Konstruktionsverhältnisse und stilistischen 
Erscheinungen“ besäßen, wie sie von Ernst Bernheim im Anschluß an 
F. Bücheler, Philologische Kritik (Bonn 1878) 16 f als wünschenswert 
bezeichnet wird (Lehrbuch” 404), bliebe es doch mehr als zweifelhaft, 
ob dieselbe uns befähigen würde, „im Sprachgebrauch und in der 
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