Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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heran.  Dieser  sowohl  wie  sein  Bruder,  der  Landgraf  Karl,  ein
edelgesinnter,  intelligenter,  aber  leichtgläubiger  General,  fielen  auf
den  Schwindler  hinein.  Im  September  1807  kam  Wächter  von  Paris
nach  Itzehoe,  konferierte  mit  dem  Kurfürsten  und  später  auch  mit
dem  Landgrafen.  Nach  seinen  Angaben  interessierten  sich  Laetitia
Bonaparte,  Murat,  Großherzog  von  Berg,  und  der  Polizeiminister
Louche  in  Paris  für  das  Schicksal  des  Kurfürsten.  Dieser  erklärte
sich  bereit,  falls  Napoleon  ihm  sein  Land  zurückgehen  wolle,
vier  Millionen  Livres  zu  zahlen,  und  zwar  alle  drei  Monate  vom
Datum  der  Restitution  an  je  eine  Million.  Falls  Napoleon  gar  des
Kurfürsten  Staaten  vergrößern  und  ihn  zum  König  erheben  wolle,
so  werde  er  kein  Bedenken  tragen,  sein  Geldopfer  entsprechend
zu  erhöhen.  Habe  es  Wächter  durch  seine  Beziehungen  zu  ‘den
drei  genannten  Personen  dahin  gebracht,  daß  innerhalb  der  nächsten
vier  Wochen  jede  feindselige  Maßnahme  aufhöre  oder  zurückgenommen ­
  werde,  daß  ferner  der  Kurfürst  alsbald  durch  einen
kaiserlichen  Befehl  volle  Sicherheit  für  seine  Person  und  für  das
wenige  Gut,  das  ihm  verblieben  sei,  zugebilligt  erhalte,  und  daß
jede  vom  Kurfürsten  bevollmächtigte  Person  sich  in  Paris  aufhalten
dürfe,  so  wolle  der  Kurfürst  eine  Abschlagszahlung  von  100  000
franz.  Livres  Order  Wächter  in  Paris  leisten.  Auf  dieser  Grundlage ­
  wollte  Wächter  einen  Vertrag  in  die  Wege  leiten,  verlangte
aber  im  voraus  die  100  000  Livres.  Hierbei  hätte  der  Kurfürst
einsehen  müssen,  daß  die  Sache  faul  sei.  Er  kannte  ja  Wächter
schon  lange  und  hatte  bereits  üble  Erfahrungen  mit  ihm  gemacht.
Wächter  war  dänischer  Gesandter  in  Frankfurt  a.  M.  gewesen,  hatte
im  Jahre  1784  den  Hessischen  Hof  zu  einer  Anleihe  von  1  200000  Tlrn.
vermocht  und  war  schon  bei  dieser  Gelegenheit  mit  dem  in  Hanau
residierenden  Erbprinzen  in  Verbindung  getreten.  Die  Zinszahlungen
für  jene  Anleihe  hatte  der  Gesandte  anfangs  selbst  zu  vermitteln,
erhielt  auch  von  seiner  Behörde  jedes  Mal  rechtzeitig  die  nötigen
Rimessen,  zahlte  seinerseits  aber  unpünktlich.  Im  Jahre  1792  mißbrauchte ­
  er  den  Kredit  seiner  Regierung  in  dem  Maße,  daß  er  mit
32  000  Tlrn.  Zinsen  dauernd  im  Rückstand  blieb.  Als  im  folgenden
Jahre  zugleich  mit  den  neuen  Zinsen  eine  Kapitalrückzahlung  von
300  000  Tlrn.  fällig  wurde,  hatte  der  hessische  Landgraf  sich
bereits  an  den  Grafen  Bernstorff  gewandt,  und  beide  Zahlungen
wurden  infolgedessen  den  Gebrüdern  Bethmann  übertragen.  Die
rückständigen  32  000  Tlr.  aber  blieben  aus.  Sie  waren  auch  nicht
            
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