Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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Kurfürsten  dahin  aufgeklärt,  daß  Wächter  kein  Ansehen  und  kein
Vertrauen  genoß.
In  Paris  waren  um  jene  Zeit  auch  der  Legationssekretär
Karcher  (Gehalt  3000,  später  6000  L.  jährlich)  und  der  dänische
Gesandte  von  Dreyer  für  den  Kurfürsten  tätig.  Die  Sendung
Geylingens  gehörte  zwar  nicht  zu  den  kostspieligen  Unternehmungen, ­
  —  seine  Diäten  betrugen  nur  3  Carolin  pro  Tag  ,
sie  beweist  aber  im  Zusammenhang  mit  den  übrigen  Maßnahmen,
wie  schwer  der  Kurfürst  zu  nüchternem  Verständnis  seiner  Lage
zu  bringen  war.  Erst  das  Inkrafttreten  des  Königreichs  Westfalen
war  ihm  eine  Tatsache  von  genügender  Deutlichkeit,  um  seine
bisherige  unpolitische  Politik  wenigstens  allmählich  fallen  zu
lassen 181 .
Mehr  Sinn  und  Verstand  hatte  es,  daß  er  in  den  kommenden
Kriegsjahren  die  Gegner  Napoleons  mit  Truppen  oder  Geld  unterstützte. ­
  Als  der  Krieg  zwischen  Napoleon  und  Österreich  ausbrach,
stellte  er  im  April  1809  auf  eigene  Kosten  ein  Truppenkorps  auf.
Es  zählte  2438  Mann  und  333  Pferde  (nach  Varges  1333  Mann
und  406  Pferde.  Zs.  31,  S.  98)  und  kostete  622  895  fl  9 l le  kr  in  Wiener
Banknoten  (127773  rf  8  Gr.  Conv.  M.),  wovon  später  161  213  fl  35  kr
durch  kaiserlichen  Erlaß  ersetzt  wurden.  Die  Mauptsumme  der
Kosten  wurde  durch  Rothschild  vermittelt.  Am  24.  April  1809  mußte
er  dem  Kurfürsten  200  000  fl  W.  W.  (107  608  fl  42  kr  24  ff)  gegen
eine  Verzinsung  von  4°/o  vorschießen,  am  17.  Juli  fl  23  159.30  W.  W.
(11  076  fl  17  kr  24  ff),  am  14.  September  30  000  fl  W.  W.  (13  619  fl
52  kr  24  ff)  und  am  1.  November  80  000  fl  W.  W.  (34  640  fl  44  kr  24  ff).
Außerdem  hatte  Rothschild  von  den  im  Besitz  des  Kurfürsten  befindlichen ­
  k.  k.  österreichisch-Bethmännischen  und  Hofkammerobligationen ­
  je  100  000  fl  zu  verkaufen.  Erstere  brachten  ä  60°/o
60  000  fl,  letztere  ä  56°/o  56  000  fl  in  Wiener  Bankozetteln  ein.  Aus
der  Reserve-  bzw.  Schatullkasse  wurden  für  Kriegszwecke  25  Rtlr.
und  fl  26  663.36.3  W.  W.  entnommen.
AIs  im  Dezember  das  Korps  wieder  aufgelöst  werden  mußte,
verkaufte  man  die  noch  vorhandenen  Pferde  und  sonstigen  Überbleibsel. ­
  Es  war  aber  nicht  mehr  viel  da  zum  Verkaufen.  Nachlässigkeit, ­
  Treulosigkeit  und  Habsucht  bei  den  Offizieren,  Mangel
an  Manneszucht  bei  den  Truppen  hatten  es  verschuldet,  daß  der
Kurfürst  um  mehr  als  100  000  fl  bei  dieser  Gelegenheit  geschädigt
wurde  m .
            
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