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unbemittelter jüdischer Jungfrauen sollten im ersten Obergeschoß,
des Hauses ihre Verwaltungsräume haben. Außerdem sollte die
mit Austeilung und Verrechnung der Almosen betraute Person ge-
eignetenfalls eine freie Wohnung daselbst erhalten. Im Jahre 1887
wurde denn auch die Verwaltung der beiden Stiftungen in dem
Hause eingerichtet, und im folgenden Jahre bezog der Almosen
verteiler Gumpertz Zuntz 3 eine Wohnung daselbst. Seitdem ist
das Gebäude auch der Besichtigung zugänglich.
Die Stelle, wo heute noch das Haus zum grünen Schild steht,
war ungefähr die Mitte der einstigen Judengasse, wie sie auf dem
Grundplan des Daniel Merlan vom Jahre 1711 dargestellt ist. Wer
die Gasse von der mittleren, nach Westen gelegenen Pforte betrat,
wo jetzt die Einhorngasse in die Börnestraße mündet, befand sich
dem Haus zum grünen Schild gerade gegenüber. Das Haus zum
roten Schild lag inmitten der südlichen Hälfte der Judengasse auf
der Westseite, das Haus zur Pfanne nahe dem nördlichen Eingang
der Judengasse auf der Ostseite. Nicht weit davon wurde das.
noch jetzt vorhandene v. Rothschildsche Bankhaus errichtet.
Rothschilds Vorfahren.
Von Rothschilds Eltern und Voreltern wissen wir wenig. Die
stammhaltenden Vorfahren handelten ursprünglich nur mit Waren,
vom Anfang des 18 Jahrhunderts ab auch mit Geld. Sie zählten,
weder zu den Reichen, noch zu den Armen. Doch gibt es Anhalts
punkte dafür, daß sie weiter strebten, daß ihr Vermögen allmählich
wuchs und ihr Geschäftskreis sich erweiterte.
Der obengenannte Isak Elchanan versteuerte in den Jahren
1567 bis 1580 ein Vermögen von 2700 fl. Sein Urenkel Kaimann
Rothschild gen. Bauer (f 1707) wurde 1690 auf 6000 fl geschätzt.
Er handelte im Jahre 1700 mit Seide und Wollstoffen, wird aber
1703 als Wechsler genannt, und letzterem Beruf widmeten sich
neben dem Warenhandel auch die nachfolgenden Stammhalter.
Das besteuerte Vermögen beweist bei der damaligen Schätzung
natürlich gar nichts für den wirklichen Vermögensstand. Man
muß aber annehmen, daß derjenige, der 6000 fl versteuerte,
auch verhältnismäßig mehr besaß als derjenige, der nur 27Ö0 ff
versteuerte. Von Kaimanns Sohn, Moses Kaimann, erfahren wir.
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