Full text: Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

140 
mehreren Jahren, am 5. Juli 1811, schreibt er dem Kurfürsten von 
Frankfurt aus, daß er jetzt noch seine Vaterstadt Kassel mit seinen 
dortigen Besitzungen meiden müsse, daß die Kasseler Polizei seine 
Schritte mit größter Aufmerksamkeit verfolge, daß er von seinem 
wenigen Vermögen durch Verkauf eines Hauses, mehrerer Gärten 
und anderer Grundstücke über 6000 Tlr. zugesetzt habe. 
Nicht ganz so schlimm erging es Buderus. Er hatte sich seit 
der französischen Okkupation sehr vorsichtig benommen, so daß man 
seiner Person schwer etwas anhaben konnte. Da er aber aus 
kleinen Anfängen sich zu ansehnlichem Wohlstand und zu einer 
. angesehenen Amtsstellung emporgearbeitet hatte, wobei er sich dem 
Kurfürsten besonders durch scharfsichtige Finanzkunde, Sparsamkeit 
und außerordentliche Leistungsfähigkeit empfohlen haben muß, so 
wurde er bei vielen Beamten und ebenso in der öffentlichen Meinung 
stark verdächtigt und angefeindet, ln Kassel war ihm der Schwieger 
sohn Michel Simons namens Levi, der dem Bankgeschäft jener 
Firma vorstand, besonders aufsässig und zugleich auf Rothschild 
eifersüchtig. Dieser Levi steckte sich hinter den niederträchtigen 
Savagner, den Spezialkommissar der Oberpolizei des Königreichs 
Westfalen, von dem man wußte, daß ihm jede Gelegenheit zur 
Intrigue und zur Erpressung willkommen war. Damals war der 
Marschall Kellermann, Herzog von Valmy, Befehlshaber des Be 
obachtungskorps der Elbe und befand sich im Hauptquartier zu 
Hanau. Das Auftreten Schills hatte nämlich Napoleon veranlaßt, 
ein solches Truppenkorps zu errichten. Von dem Marschall 
Kellermann erwirkte nun Savagner einen Verhaftungsbefehl gegen 
Buderus und betraute den Polizeiagenten Sußmann aus Kassel mit 
der Ausführung. Dieser begab sich am 9. Mai 1809 mit französischen 
Soldaten zur Buderusschen Wohnung in Hanau. Dort traf er 
dessen Schwester Dorothea. Obgleich diese versicherte, daß ihr 
Bruder nicht anwesend, sondern auf seinem Gut Carlshausen bei 
Altenhaßlau sei, setzte Sußmann ihr eine Pistole vor den Kopf 
und verlangte, sie solle angeben, wo sie ihren Bruder versteckt 
halte. Nicht ohne Mißhandlung wurde sie dann die Treppe 
hinaufgeführt, die verschlossene Wohnung erbrochen und die vor 
handenen Papiere durchsucht. Das alles geschah, ohne daß die 
Hanauer Behörden vorher in Kenntnis gesetzt waren. Alsdann 
begab sich Sußmann mit seinen Soldaten auf das Gut Carls 
hausen, versiegelte die dort vorgefundenen Schriftstücke und führte
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.