Full text: Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

Buderus als Gefangenen nach Hanau. Nachdem er dort zwei Tage 
lang wie ein Verbrecher behandelt worden war, ließ ihn der 
Spezialkommissar gegen Kaution wieder frei und begab sich 
zunächst nach Frankfurt. Hier hatte der Gesandte von Bacher 
im Namen des Königs von Westfalen auf Arretierung Meyer Amschel 
Rothschilds und seiner Söhne Salomon Mayer und James Mayer 
angetragen. Es sollten ihre Korrespondenz und ihre Bücher ein 
gesehen und sie selbst über diejenigen Fragen vernommen werden, 
die Savagner einreichen werde 213 . Da die Polizei längst wußte, 
daß Rothschild nach wie vor die Geldgeschäfte des Kurfürsten 
besorgte, da man vermutete, daß Rothschild auch Fonds des 
Kurfürsten in Händen habe, so lag der Verdacht nahe, daß er 
bei der westfälischen Revolte der Geldvermittler gewesen sei. Doch 
nur mit Widerstreben hatte der König von Westfalen sich über 
reden lassen, gegen Rothschild vorzugehen. Savagner selbst aber 
wußte im voraus, daß Rothschild unschuldig sei. Seine Betrieb 
samkeit hatte lediglich den Zweck, Geld zu erpressen. Am 10. Mai 
begab er sich mit dem fürstlich primatischen Polizeikommissar 
Dallaeus in das Rothschildsche Kontor, ließ sämtliche Schränke, in 
denen sich Korrespondenzen oder Geschäftsbücher befanden, ver 
siegeln, den Rothschild Vater in seiner Behausung und die beiden 
genannten Söhne — die anderen Söhne waren abwesend — im 
Kontor von Polizeidienern bewachen. Die Vernehmung Meyer 
Amschels betraf zunächst seine Beziehungen zum Kurfürsten im 
Jahre 1807 von Hamburg aus. Vor Ausbruch des Krieges mit 
Österreich sollte er mit kurfürstlichem Geld österreichische Papiere 
zu hohen Preisen angekauft haben, um den Kurs dieser Papiere 
zu steigern. Auch sollte er beträchtliche Summen in englischen 
Wechseln aus Norddeutschland bezogen haben. Den Kardinalpunkt 
aber bildete die Frage, ob er während der Exilzeit des Kurfürsten 
in dessen Auftrag an Lennep, Buderus, den Obersten Engelhard, 
den Regierungsrat Schmerfeld und den Archivarius Galland [Schreib 
fehler: Gallon] Gelder ausgezahlt habe, die ihm vom Kurfürsten 
zurückerstattet seien. Diese Fragen konnte Rothschild mit gutem 
Gewissen verneinen. Wohl aber hatte er von Buderus ein Kapital 
von 20 000 fl zu 5 °lo geliehen und von diesem Geld, ohne ein 
Buch darüber zu führen, Zahlungen an verschiedene Personen 
gemacht, deren Namen er sich nicht mehr entsinnen konnte. Die 
gemachten Zahlungen habe Buderus jedoch stets zurückerstattet,
	        
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