Die Frühromantik.
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phonie erlebt. Und da war sie in der Reihenfolge einer großen
Anzahl gottbegnadeter Meister rasch in einem ganz besonderen
Lande deutschen Wesens heimisch geworden, hatte sich in dem
alten klassischen Südosten, im heiteren sterreich konzentriert:
auf katholisch-sinnlichem Boden, wo sie sicher war vor den
Auswüchsen des neuen Geisteslebens, sicher auch vor ihren für
sie vielleicht allzurationalen Früchten: und umschlossen von
einer uralten musikalisch-geistlichen Tradition wie getragen von
dem munteren Naturell einer sangesfreudigen Bevölkerung.
So hatte sie denn Förderung auf Förderung erfahren; bis
zu den heitren Höhen Haydns, bis zu den sonnigen Horizonten
Mozarts.
Das war die Lage, in die Beethoven, der vlämische
Fremdling vom Rhein hineinwuchs, nachdem er, wie so oft
seine kaufmännischen Landsleute im Mittelalter auf Handels⸗
fahrten, auf der Suche nach dem musikalischen Ideale ganz
Deutschland von Nordwest nach Südost durchmessen hatte.
Und er erst vollendete die frühesten Ideale subjektivistischer Musik,
indem er alle Weiten der neuen Gefühle im künstlerischen
Spiele restlos zu Tönen umschuf.
Hielt er sich aber, indem er die Welt in seiner Kunst be⸗—
grub, in den engen Grenzen des Klassizismus? Oder ward
er, der scharfe Meister der Form, indem er in der Mystik der
Musik seine Seele in die Dinge und die Dinge in seine Seele
versenkte, zum Romantiker? Man mag von Zeiten reden, in
denen romantische Stilelemente bei ihm besonders anklangen,
wie man bei Goethe von einer romantischen Periode zu sprechen
pflegt: dennoch haben ihm diese Elemente niemals anders als
zu höher liegenden, gegenüber Klassizismus und Romantik im
Grunde indifferenten Zwecken gedient. Und wohl mag man
anführen, daß in der Gewalt des Meisters, auch das Außer⸗
und Übersinnliche zu versinnlichen, eine Kraft sich äußere,
die in das Gefühl des Mystischen und Metaphysischen eingeht:
wie denn die Neunte Symphonie sichtbarlich aus den Qualen
der Zerrissenheit, des inneren Aufgewühltseins, der Verzweif—
lung zur siegesjauchzenden Prophezeiung einer höheren Welt