Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Sechstes Buch. Viertes Kapitel. 
Dies eigenmächtige Vorgehen erregte den Widerwillen der 
Großen wie der Stämme. In Süddeutschland verkörperte sich 
der Widerstand in Schwaben, dem einzigen Stammesgebiete 
neben dem Heinrich getreuen Baiern; doch das naturgemäße 
Haupt dieser Bewegung, der schwäbische Herzog Hermann, spielte 
die ihm zufallende Rolle eines Prätendenten mit wenig Geschick 
und Freude. 
Anders in Norddeutschland, vornehmlich in Sachsen. Hier 
betrachtete man den Liudolfingen Heinrich längst als Baiern; 
mit dem Tode Ottos III., mit dem Auftreten des Baiernherzogs 
als Nachfolger glaubte sich daher der Sachsenstamm die Krone 
oom Haupt gerissen. Und noch hatte er dem Reiche bisher 
kaum anders Sympathieen entgegengebracht denn als führende 
Stammesmacht; noch war er in der allgemeinen Entwickelung 
seines materiellen wie geistigen Lebens keineswegs voll in die 
Linie der sonstigen deutschen Kultur eingerückt, trotz aller Be⸗ 
strebungen der Ottonen; noch galt in seinem Bereich ungebrochen 
ein uraltes Volksrecht, dessen Bestimmungen anderen deutschen 
Stämmen gestatteten, es als lex crudelissima zu bezeichnen!). 
Die politische Lage des Augenblicks wie der Stand ihrer Kultur 
konnten es den Sachsen daher gleich nahe legen, sich dem Reiche 
durch Begründung einer selbständigen Entwickelung von neuem 
zu entziehen. 
Und schon fand sich im Markgrafen Eckart von Meißen 
ein begabter und angesehener Prätendent des Nordostens. Er 
hatte sich in den Kriegen gegen die Slawen die größten Ver— 
dienste erworben; weit durch Thüringen zerstreut lag sein Allod; 
nicht umsonst hatten ihn die Großen des Landes zum Thüringer— 
herzog gewählt. Unter diesen Umständen war es ein Glück für 
die Einheit des Reiches, daß Markgraf Eckart den Sachsen als 
Thüringer minder genehm schien. Sie zauderten, und dieser 
Augenblick des Schwankens genügte, um diejenigen Elemente 
in Sachsen zur Gegenwirkung zu bringen, die aus egoistischen 
oder allgemeinen Gründen den Gedanken der Reichseinheit 
vertraten. Einzelne Bischöfe traten für Heinrich ein, nicht 
Wipo. Gesta Ohuonradi imp. c. 6 S. 22.
	        
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