Full text: Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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Rothschilds Münz- und Antiquitätenhandel. 
Meyer Amschel Rothschild wurde am 23. Februar 1744 ge 
boren. Sein Rufname war Meyer. Er hatte zwei ältere Schwestern 
und zwei jüngere Brüder. Mitteilungen über seine Jugendzeit 
finden sich in dem Memorbuch und in einem gedruckten Nekrolog 
vom Jahre 1813. Der Verfasser des letzteren, Salomon Jakob 
Cohen, ist ein wortreicher Prediger und ein überfließender Lob 
redner. Aber er hatte offenbar Beziehungen zur Rothschildschen 
Familie, und man kann daher bei einiger Vorsicht seiner Schrift 
eine Reihe wertvoller Tatsachen entnehmen. Er erzählt, daß Meyer 
Amschel von seinen Eltern eine religiöse Erziehung erhielt und 
nach Fürth bei Nürnberg geschickt wurde, nicht um Rabbiner zu 
werden, wie man später vielfach behauptet hat, sondern nur, um 
seine Religionskenntnisse an der dortigen rabbinischen Hochschule 
zu erweitern. Das Memorbuch erwähnt ebenfalls, daß Rothschild 
in jungen Jahren in die Ferne zog, um an den Talmudhoch 
schulen der hervorragenden Gelehrten seiner Zeit Halacha zu 
vernehmen und seine Weisheit und Thorakenntnis zu vermehren. 
Von der Absicht, Rabbiner zu werden, sagt auch das Memorbuch 
nichts 8 . 
Die Schulzeit in Fürth war hart und reich an Entbehrungen, 
scheint aber nicht von langer Dauer gewesen zu sein. Am 
6. Oktober 1755 verlor Meyer Amschel seinen Vater und am 
29. Juni des folgenden Jahres auch seine Mutter, so daß er mit 
zwölf Jahren elternlos dastand. Schon Cohen gibt an, daß er 
später einige Jahre in einem jüdischen Handlungshaus zu Hannover 
tätig gewesen sei. Nach Kriegk 7 war es im Oppenheimschen Bank 
haus. Genauere Zeitangaben lassen jedoch beide Gewährsmänner 
vermissen. Die Rabbinatsschule konnte man schon mit elf Jahren 
und früher besuchen. Vielleicht war es also der Tod der Eltern, 
der den Knaben veranlaßte, Fürth zu verlassen, um sich nunmehr 
dem Wechslerberuf zu widmen. Hierbei verfuhr er, wie Cohen 
mitteilt, in gelehrter Weise, indem er sich auf die Kenntnis der 
„Antiken“, besonders auf die Kunde der alten Münzen und 
Medaillen legte und alle dahin einschlagenden Schriften, deren er 
habhaft werden konnte, studierte. Nach demselben Autor waren 
ihm diese Kenntnisse in der Folge ein wichtiges Erwerbsmittel, 
und wir dürfen vermuten, daß auch die erste Annäheruug an den
	        
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