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stände mit 200 000 fl ä 5%, Oberjägermeister von Moltke mit
200 000 rf ä 4 1 /2°/o.
Solche Außenstände geheimzuhalten , war natürlich viel
schwieriger, als Obligationen und Kupons in Sicherheit zu bringen.
Wohl hatte man bei Wegschaffung der Effekten auch an die Ver
bergung aller derjenigen Akten gedacht, welche Aufschluß über
Einnahmequellen irgendwelcher Art geben konnten. Das beweisen
unsere Inhaltsangaben der verschiedenen Verstecke zur Genüge.
Wir sahen aber bereits, daß ca. 30 Kisten in die Hände der
Franzosen gefallen waren, und auch in diesen befanden sich wichtige
Nachweisungen. Ferner wissen wir, daß man in der Eile die
Beiseiteschaffung verschiedener Dokumente vergessen hatte. So
war die in dem Bellevueschloß befindliche Korrespondenz dort
liegen geblieben. Und selbst den Fall gesetzt, daß es gelungen
wäre, alle im Augenblick der Gefahr erreichbaren Nachweisungen
zu beseitigen, so wären damit begreiflicherweise noch nicht sämt
liche Außenstände bei dauernder Nachforschung verborgen ge
blieben 83 . Die Franzosen aber gingen systematisch in ihren
Ermittlungen vor. Der Intendant Marteilläre war damit beauftragt,
das Vermögen der verschiedenen Kassenverwaltungen ausfindig zu
machen, und Anfang Dezember war Lagrange bereits im Besitz
eines Kapitalienbuchs der Kriegskasse, des Kabinettskassenetats
von 1806 und eines Status der bei der Oberrentkammer in Kassel
und der Rentkammer in Hanau ausgeliehenen Kapitalien 84 . Schon
gaben die Minister alles verloren, da trat plötzlich eine Wendung
ein. Lagrange bot sich diesmal selber an, sich und zugleich den
Generalintendanten Marteillere.
Der Gouverneur war ein vorsichtiger und schlauer Mann. Er
hatte von vornherein die Absicht, bei dieser Gelegenheit sich gründ
lich zu bereichern. Vor Untreue schreckten ihn weder Gewissen
noch Selbstachtung zurück; auch durfte er bei seinem kaiserlichen
Herrn in Geldsachen auf Nachsicht rechnen. Doch hatte er nicht
die Absicht, eine förmliche Unterschlagung zu begehen. Vielmehr
war das Abkommen mit der verhältnismäßig kleinen Summe von
260 000 Fr. von ihm so angelegt, daß dieselbe Affäre sich später in
verbesserter Auflage wiederholen mußte. Bei der ersten Bestechung
war ihm der Inhalt der deponierten Kisten selbstverständlich von
Schmerfeld mitgeteilt worden. Er ließ sich damals u. a. alle die
jenigen Kisten abkaufen, in denen Barvermögen, d. h. Obligationen