und die Kammerkassenakten dem Kurfürsten bereits in sein Refugium
gesandt waren. Aus einer späteren Akte erfahren wir denn auch,
daß es im ganzen vier Kisten mit Literalien aus dem Geheimen
Kabinettsarchiv waren, die Rothschild empfing 94 . Der Anteil des
Hauses Rothschild an dem ganzen Rettungswerk beschränkt sich
demnach auf die Bergung eines Teiles vom kurfürstlichen Archiv.
Die Vermögensverwaltung des Kurfürsten
während der Exilzeit.
Allgemeines.
Die kurfürstliche Familie war während der Exilzeit zerstreut.
Die Kurfürstin begab sich zu ihrer Tochter, der regierenden Herzogin
zu Gotha. Der Kurprinz ging mit Gemahlin und Kindern nach
Berlin, um bei seinem Schwager, dem König Friedrich Wilhelm III.,
Schutz zu suchen. Daß das Haupt der Familie sich zunächst nach
Dänemark wandte, erklärt sich aus vielfachen Beziehungen des
hessischen Fürstenhauses zum dänischen Hof.
Die sog. Assekurationsakte (s. o. S. 8) war u. a. durch die
drei protestantischen Könige von Großbritannien, Dänemark und
Preußen garantiert. Um aber die Söhne Friedrichs II. vor allen
Bekehrungsversuchen aufs sicherste zu bewahren, hatte man sie
schon im Jahr 1754 aus Hessen entfernt und nach Göttingen
geschickt, wo sie unter dem Schutz ihres Großvaters mütterlicher
Seite standen. Als zwei Jahre später der Siebenjährige Krieg aus
brach, schien der weitere Aufenthalt der Prinzen in deutschen
Landen bedenklich. Ihr Großvater schickte sie nach Kopenhagen.
Dort leitete Friedrich V. von Dänemark (1746—1766) ihre Erziehung.
Dessen Gemahlin Luise war im Jahr 1751 gestorben. Sie war die
jüngste Tochter Georgs II. von Großbritannien und die Lieblings
schwester Marias, der Mutter der hessischen Prinzen, gewesen.
Die vier Kinder, welche sie hinterließ, waren nur wenige Jahre
jünger als ihre hessischen Vettern, und die Verlobung Wilhelms
mit Wilhelmine Karoline, der zweiten Tochter Friedrichs V., war
damals bereits verabredet. Wilhelms Bruder, der Landgraf Karl,
trat später in dänische Dienste. Er war zur Zeit des Exils Statt
halter der Herzogtümer Schleswig und Holstein, sein Sohn, Prinz
Friedrich, Gouverneur von Rendsburg. Auch Landgraf Karl hatte
eine Tochter Friedrichs V. von Dänemark, Luise, zur Gattin, und