Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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seine  älteste  Tochter  Marie  Sophie  Friederike  war  an  den  Kronprinzen ­
  und  Mitregenten  Friedrich  von  Dänemark  verheiratet.  Der
Wohnsitz  des  Landgrafen  Karl  war  das  Schloß  Gottorf  bei
Schleswig.  Flier  und  in  dem  von  ihm  erbauten  Lustschloß  Luisenlund ­
  verbrachte  er  seine  meiste  Zeit 95 .  Gottorf  war  denn  auch
am  1.  November  1806  das  Ziel  des  flüchtigen  Kurfürsten.  Dorthin
folgte  ihm  einen  Tag  später  auf  speziellen  Befehl  der  Geheime
Kriegsrat  Buderus  von  Carlshausen 96 .  Am  12.  November  langte
dieser  in  Gottorf  an.  Er  hatte  wieder  seinen  Diener  Waitz  mitgenommen, ­
  sandte  ihn  jedoch  von  Hannover  aus  nach  Kassel  zurück.
Welchen  Auftrag  der  Diener  in  der  hessischen  Hauptstadt  auszuführen ­
  hatte,  erfahren  wir  nicht.  Nur,  daß  er  Briefe  von  Buderus
an  dessen  in  Kassel  verbliebene  Gattin  zu  überbringen  hatte.
Jedenfalls  war  sein  Aufenthalt  in  Kassel  nur  von  ganz  kurzer
Dauer,  denn  am  14.  November  befindet  er  sich  bei  seinem  Herrn
auf  Gottorf.  Dort  muß  er  viel  von  den  französischen  Truppenbewegungen ­
  erzählt  haben,  die  er  auf  seiner  Reise  wahrgenommen
hatte,  und  gleichzeitig  schrieb  der  Bankier  Lawätz  in  Altona  unterm
14.  November  an  Buderus,  daß  in  und  bei  Lüneburg  für  17  000  Franzosen ­
  Quartier  bestellt  sei.  „Gott  weiß,  wohin  sie  bestimmt  sind.“
Am  18.  November  schreibt  er:  „Die  Franzosen  gehen  jetzt  bei
Artlenburg  über  die  Elbe.  Und  wir  müssen  nun  erwarten,  ob  und
was  sie  gegen  Holstein  im  Sinne  führen.“  Tags  darauf,  am  19.  November, ­
  besetzten  die  Franzosen  unter  dem  Marschall  Mortier  Hamburg.
Am  25.  November  schreibt  Lawätz:  „Heute  frühe  sind  bereits
3  Regimenter  Franzosen  wieder  von  Hamburg  weg  marschirt.  Es
heißt,  bei  Posen  soll  eine  Affaire  zum  Vofteil  der  Russen  vorgefallen ­
  sein,  und  diese  daher  zur  Verstärkung  nach  Berlin  marschiren.“
Inzwischen  war  der  Kurfürst,  wie  es  scheint,  durch  die  von
Waitz,  Lawätz  und  vielleicht  auch  von  anderer  Seite  empfangenen
Nachrichten  in  große  Aufregung  und  Angst  versetzt  worden,  so  daß
er  drauf  und  dran  war,  seinen  Finanzmann  Buderus  mit  seinem
sämtlichen  Vermögen,  wie  dieser  es  ausdrückt,  d.  h.  mit  seinen
sämtlichen  Nominal-  und  Partialobligationen  —  denn  von  den  Zinskupons ­
  konnte  damals  noch  nichts  in  Schleswig  sein  —  gewissermaßen ­
  von  Gottorf  wegzujagen,  ohne  ihm  einen  Sicherheitsort
bestimmen  zu  können.  Er  sollte  der  Landstraße  nach  in  ein
Wirtshaus,  nach  Schweden  oder  Norwegen,  oder  wohin  er  sonst
wollte,  flüchten.  Buderus  selbst  fürchtete  die  Möglichkeit,  daß  der
            
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