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In Prag kaufte der Kurfürst ein Palais auf der Kleinseite, in
dem auch seine sämtlichen Beamten Wohnung nahmen. Dann wurde
ein Landsitz, das Gut Bubenetsch nebst Park und Schloß er
worben, und im Jahre 1812 mußte der alte Rothschild noch den
Meierhof Zatory kaufen. Je nach der Saison verweilte man teils
in Prag, teils in Bubenetsch und zur Kurzeit in Karlsbad oder
Franzenbrunn.
Die Finanzgeschäfte wurden jetzt infolge der größeren Ent
fernungen schwieriger. Man hatte zu korrespondieren oder zu
konferieren mit Lorentz in London, Buderus auf Carlshausen,
Rothschild in Frankfurt, Galland in Kassel, auch mit Lennep. Die
meisten Reisen nach Prag hatte das Haus Rothschild zu über
nehmen. Doch waren solche Reisen beschwerlich und zeitraubend
und deshalb im Verhältnis selten. Um so häufiger kamen schrift
liche Berichte und Anträge, besonders von Buderus, der persönlich
niemals in Prag anwesend war.
Der Kurfürst beriet alle finanziellen und alle politischen An
gelegenheiten mit seinen Getreuen in den sog. Kabinettsitzungen.
Er leitete die Diskussion und resolvierte selbst. Der Regierungsrat
Schmerfeld führte das Protokoll und, wenn er behindert war, der
Kriegsrat Schmincke. Vom Jahre 1809 ab nahm auch der Kriegs
kommissar Knatz an diesen Sitzungen teil. Als Rechtskonsulent
fungierte der Rat Kauka, ein Böhme von Geburt 124 .
Anfangs lebte der Kurfürst in Prag zurückgezogen. Er war
genötigt, das Inkognito zu wahren, und hatte fast keinen Verkehr.
Diese Lage änderte sich im Frühjahr 1809, als der Krieg zwischen
Frankreich und Österreich ausbrach und Wilhelm I. auf eigene
Kosten ein Truppenkorps aufstellte. Jetzt wurde er formell als
Kurfürst anerkannt. Am 16. April wurden ihm auf ausdrücklichen
Befehl des Wiener Hofes alle Spitzen des Militärs und der Zivil
verwaltung vorgestellt. Auch stellte man ihm eine Ehrenwache
und Posten 125 . Bald aber fühlte er sich in Prag nicht mehr sicher
genug und faßte den Plan, seinen Aufenthalt nach Olmütz zu
verlegen. Am 7. Mai wurde der Sekretarius Delbrück und der
Pedell J. H. Schaffer mit einem Teil der Effekten dorthin gesandt.
Von den Wertobjekten wurde ihndn anvertraut: der Koffer mit
Nominalobligationen, die 6 Koffer mit Partialobligationen, 1 Kasten
mit Zinskupons und 1 Kiste mit Pretiosen. Außerdem führten sie
mit sich: 2 Bibliothekskasten, 1 Aktenkasten, 1 Garderobekoffer und
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