Full text: Finanzwissenschaft

3. Buch. Die Staatsausgaben. 
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giebigere Steuerbemessung aufweisen könnte, wenn seine Beamten 
genügende Tagegelder erhielten; so aber trachten sie möglichst rasch 
ihrer Aufgabe ledig zu werden und eilen nach Hause. 
6. Die Misöre der Beamtenwelt hat der Weltkrieg mit seinen 
kolossalen Preisorgien am besten ins Licht gestellt. Tagtäglich 
können wir von hochgestellten Beamten detaillierte Angaben über 
ihre Budgets lesen, die wahrlich ein Jammer sind. Der ungarische 
Finanzminister konnte das Beispiel des Richters vom obersten Ge 
richtshöfe anführen, der eigenhändig seine Schuhe sohlen müsse. 
Fleischnahrung ist selbst bei hohen Beamten ausgeschlossen. Mit 
Wäsche müsse auf das genaueste gespart werden und das soll in 
einzelnen Ämtern an der verdorbenen Luft auch wahrzunehmen sein. 
Das Elend steigerte natürlich der Umstand, daß schon vor dem Kriege 
in ganz Europa eine große Teuerung Platz gegriffen hat. 
Brennholz, Kohle, Zündhölzchen, Soda, Arzneimittel, bei allen 
Artikeln finden wir unglaubliche Preislagen. Dem gegenüber hat 
der Staat den Beamten nur in ganz unzulänglicher Weise durch 
Vorschüsse und Teuerungsbeilagen Hilfe geboten. 
Hier werden radikale Maßregeln nach dem Kriege unumgäng 
lich notwendig werden. Kleine Aufbesserungen des Gehalts werden 
nicht genügen. Es muß auf rationeller Weise, in vollem Maße, im 
Verhältnis der Steigerung der Lebenskosten, eine gerechte Gehalts 
regulierung stattfinden. In vollem Maße gelten hier die Be 
merkungen Wagners: „Es ist daher einmal die rechtzeitige und ent 
sprechende Erhöhung der Gehalte bei einer allgemeinen Preis 
steigerung (infolge eigentlicher Geldentwertung oder einer Umge 
staltung der Verkehrsverhältnisse usw.) und bei einer dem fort 
schreitenden allgemeinen Wohlstand zuzuschreibenden Erhöhung des 
Lebensanspruches in der ganzen Bevölkerung notwendig. In dieser 
Beziehung erfolgen die erforderlichen Gehaltserhöhungen besonders 
in unserer Zeit zu langsam, zu spärlich und zu unregelmäßig.“ x ) 
Und damals standen die traurigen Erfahrungen des Krieges 
noch nicht zur Verfügung. 
') Bau-Wagner, Lehrbuch der Finanz Wissenschaft. VI. Ansgabe (Leipzig 
und Heidelberg IbVä), 8. 123.
	        
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