Full text : Finanzwissenschaft

XII.  Abschnitt.  Ausgaben  für  Heer,  Flotte  und  Krieg.

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XII.  Abschnitt.
Ausgaben  für  Heer,  Flotte  und  Krieg.
1.  Adam  Smith  beginnt  seine  Betrachtungen  über  den  Staatshaushalt ­
  mit  der  Untersuchung  über  die  „Kosten  der  Landesverteidigung“. ­
  „Die  erste  Pflicht  des  Souveräns  ist  —  sagt  er  —  der
Schutz  der  Gesellschaft  gegen  die  Gewalttätigkeit  und  Invasion
anderer  unabhängiger  Gesellschaften.“  Dies  kann  nur  mittelst  militärischer ­
  Kraft  geschehen  und  die  entsprechenden  Kosten  sind  verschieden ­
  in  verschiedenen  Perioden  der  Gesellschaft  und  bei  verschiedenem ­
  Stande  des  Fortschrittes.  Bei  Jägervölkern  ist  jeder
Mann  Jäger  und  Krieger  zugleich.  Im  Krieg  und  im  Frieden  betreibt ­
  er  zum  Schutz  seines  Lebens  dasselbe  Handwerk.  Der  Krieg
verursacht  keinerlei  besondere  Ausgaben.  Auch  in  einer  Gesellschaft
von  Hirten  verursacht  der  Schutz  der  Gesellschaft  keine  besonderen
Ausgaben,  denn  jeder  Hirte  ist  zugleich  Krieger  und  die  Angehörigen ­
  nehmen  am  Kriege  Teil.  Bei  ansässigen  Völkern,  die  zumeist ­
  Ackerbau  treiben,  kommt  bereits  eine  gewisse  Arbeitsteilung
vor;  alle  Personen  im  Mannesalter  nehmen  am  Kriege  Teil.  Doch
noch  immer  führen  diese  ein  Leben,  das  sie  für  das  Kriegshandwerk ­
  vorbereitet  und  solange  der  Krieg  in  jener  Zeit  geführt  wird,
in  welcher  die  Männer  bei  den  Feldarbeiten  entbehrt  werden
können,  sind  die  Kriegskosten  noch  immer  geringfügig.  In  der
feudalen  Periode  Europas  trugen  die  Vasallen  die  Kosten  des
Krieges.  Nach  der  Entwicklung  der  Gesellschaft  wird  es  aus  zwei
Gründen  unmöglich,  daß  die  Kriege  sich  selbst  erhalten:  der  Fortschritt ­
  der  Produktion  und  der  Fortschritt  der  Kriegskunst.  Für  den
Ackerbauer  arbeitet  die  Natur,  wenn  er  auch  ferne  ist,  für  den
Gewerbsmann  leistet  die  Natur  nichts,  sobald  er  seine  Arbeit  unterbricht. ­
  Geht  er  in  den  Krieg,  so  muß  die  Gesellschaft  für  seinen
Unterhalt  sorgen.  Dieselbe  Folge  hatte  der  Umstand,  daß  mit  dem
Fortschritte  der  Kriegskunst  das  Kriegshandwerk  gelernt  werden
mußte  und  diejenigen,  die  sich  diesem  Handwerke  widmeten,  Anspruch ­
  auf  eine  Entlohnung  hatten.  Die  Kriegskunst,  „gewiß  die
edelste  aller  Künste“,  sagt  Smith  —  ist  auch  die  komplizierteste,
ßer  Stand  der  Technik  entscheidet  über  die  Grenze  der  Entwicklungsfähigkeit, ­
  deren  Erreichung  aber  unbedingt  erfordert,  daß
dieselbe  zur  selbständigen  Beschäftigung  werde.  Je  reicher  eine
Nation  wird,  desto  weniger  kriegerisch  ist  seine  Bevölkerung  und
desto  mehr  ist  sie  Angriffen  ausgesetzt.  Der  Staat  kann  nun  zwei
            
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