340 Siebentes Buch. Zweites Kapitel.
sich so, daß er noch am 20. Juli in Sachen der Bamberger
Bistumsbesetzung ein entgegenkommendes Schreiben an den
„ruhmvollsten“ König richtete!. Heinrich versprach seinerseits,
mit Gregor in vertrauliche Verhandlungen einzutreten?. Und
der Papst antwortete huldvoll, verwarf sogar die „ungerechte“
Empörung der Sachsen?. Aber die versprochene Vertraulichkeit
ließ sich nicht innehalten; denn Heinrich bedurfte jetzt, nach
den sächsischen Freveln auf der Harzburg, zur Unterwerfung
Sachsens der Fürsten: nur mit Hilfe ihrer Kontingente war
die Wiederherstellung des königlichen Ansehens im Nordosten
denkbar. Niemand aber war von jeher eifriger, Reichskontingente
zu stellen, als die geistlichen Fürsten, die Bischfsfe. In dem
Augenblick also, da Heinrich sich durch den Papst persönlich
verletzt fühlte, bedurfte er eben der Fürsten, die derselbe Papst
teilweis gebannt und gemaßregelt hatte: die Verbindung
zwischen dem König und den geistlichen Fürsten vollzog sich
von selbst. Und da mit dieser Schwenkung an Heinrichs Hofe
zugleich der Einfluß der freien Herren und Dienstmannen in
den deutschen Reichsgeschäften fiel, so näherten sich auch die
Laienfürsten wieder dem König: mächtig, wie seit langer Zeit
nicht, stand der König im Reiche.
Noch vorher aber hatte der König, unterstützt durch den
neuerlichen Bund mit den Fürsten, die Sachsen bei Homburg
und Nägelstädt am 9. Juni 1075 besiegt; und einem weiteren
Schlage entgingen sie nur durch bedingungslose Unterwerfung,
Ende Oktober 1075: es war der erste große Erfolg des Königs.
Aber dieser Sieg bedeutete in dem Zusammenhang, darin
er erfochten war, zugleich eine Vertagung der kirchlichen Reform
in Deutschland. Ja, noch mehr: indem der Sieg dem König
die Möglichkeit gewährte, seiner italienischen Aufgaben zu ge—
denken, bedeutete er den Bruch mit dem Papsttum.
Weihnacht 1075 vermochte Heinrich die Fürsten auf einem
Resg. III 3 eéd. Jaffé S. 208 ff.
Reg. III 5 S. 210.
s Reg. III 7 S. 213.