Full text : Finanzwissenschaft

A.  VIII.  Abschnitt.  Die  Steuerquellen  und  die  Steuerkräfte  insbesondere.  241
nur  eine  scheinbare,  formelle  sein.  Faktisch  tritt  nur  dann  eine
Doppelbesteuerung  ein,  wenn  dasselbe  Steuerobjekt  auf  Grund  derselben ­
  Steuerquellen  im  Maße  der  vollen  Steuerkraft  mehrfach  in
Anspruch  genommen  wird.  Da  sich  aber  die  Tragfähigkeit  der
Steuerkräfte  mit  authentischer  Genauigkeit  nicht  messen  läßt,  so
ist  auch  das  Obwalten  der  Doppelbesteuerung  oft  schwer  zu  konstatieren. ­
  Wo  das  augenscheinlich  ist,  wie  z.  B.  bei  der  Ausfuhr  von
mit  inländischen  Verbrauchssteuern  belasteten  Waren,  dort  wird  die
Doppelbesteuerung  durch  Steuerrückvergütungen  vermieden.  Von
dem  Verhältnis  der  verschiedenen  Steuergewalten  zueinander,  namentlich ­
  von  der  Steuergewalt  der  Selbstvffrwaltungskörper  und  der
Staatenverbände  und  der  Art  der  Ausübung  derselben  wird  an
anderer  Stelle  die  Rede  sein.

VIII.  Abschnitt.
Die  Steuerquellen  und  die  Steuerkräfte  insbesondere.
1.  Als  dauernde  Steuerquelle  kann  nur  das  sich  erneuernde
Einkommen  betrachtet  werden.  Als  ausnahmsweise  oder  ergänzende
Steuerquelle  kann  auch  das  Vermögen  in  Betracht  kommen,  wie
dies  die  späteren  Erörterungen  zeigen  werden.  Für  die  Kenntnis
der  Steuerkraft  eines  Staates  ist  es  darum  von  hervorragender
Wichtigkeit,  sich  über  die  Größe,  die  Intensität  der  Steuerquellen
klar  zu  werden.  Die  Finanzwissenschaft  hat  es  bisher  versäumt,
diesen  Gegenstand  in  den  Kreis  ihrer  Betrachtungen  einzuziehen,
und  hat  es  in  der  Regel  der  Wirtschaftslehre  und  Wirtschaftsstatistik ­
  überlassen,  diese  Fragen  zu  erörtern.  Da  aber  Jeder,  der
in  den  großen  Fragen  der  Steuerpolitik  klar  sehen  will,  sich  über
die  Grundbasen  der  Steuerkraft  klar  sein  muß,  halte  ich  es  für
notwendig,  daß  die  Finanzwissenschaft  an  diesem  Gegenstände  nicht
vorübergehe.  Namentlich  die  schwierigen  Fragen  der  Gegenwart
erfordern  es,  daß  wir  einen  Einblick  in  die  Gestaltung  der  Steuerkräfte ­
  gewinnen.  Wir  beschränken  uns  auf  die  Zusammenfassung
der  wichtigsten  Daten,  in  denen  sich  die  Verhältnisse  der  Steuerquellen, ­
  die  Gestaltung  von  Volks  vermögen  und  Volkseinkommen
wiederspiegeln,  nicht  außer  acht  lassend,  daß  diese  Daten  nur  Annäherungswerte ­
  repräsentieren.
Nach  Helfferich  (Deutschlands  Volkswohlstand  1888—1913,
Berlin  1914)  beträgt  das  Volkseinkommen  Deutschlands  42  Milliarden
F  öl  des,  Finanzwissenschaft.  16
            
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