Full text : Finanzwissenschaft

A.  XI.  Abschnitt.  Der  Steuermonismus.

261
würde  in  Frankreich  die  einzige  Steuer  20—25  Prozent  des  Einkommens ­
  in  Anspruch  nehmen.
Das  stärkste  Bedenken  gegen  den  Steuermonismus  besteht
jedenfalls  darin,  daß  bei  der  Schwierigkeit  der  Feststellung  der
Leistungsfähigkeit  als  Maßstab  der  Steuerpflicht,  eine  einzige  Steuer
keine  Gewähr  bietet  für  die  Erfassung  jener  vielfachen  Momente,
aus  welchen  auf  die  Größe  der  Leistungsfähigkeit  geschlossen  werden
kann.  Hieraus  würde  aber  eine  große  Ungleichheit  in  der  Besteuerung ­
  und  damit  eine  ungerechte  Verteilung  der  Staatslasten
folgen.  Von  diesem  Standpunkte  aus  muß  man  Adam  Smith  Recht
geben,  dessen  Ansicht  gemäß  eben  die  Vielheit  der  Steuern  einige
Gewähr  zu  bieten  vermag  gegen  die  eventuellen  Fehler  einzelner
Steuern.  Vom  Steuermonismus  könnte  erst  dann  die  Rede  sein,
wenn  die  Steuerverwaltung  zur  Feststellung  der  Leistungsfähigkeit
über  vollkommenere  Methoden  verfügen  oder  das  Pflichtbewußtsein,
das  Staatsgefühl  der  Staatsbürger  empfindlicher  sein  wird.  In  Ermangelung ­
  dieser  Voraussetzungen  könnte  die  einzige  Steuer  nur
dort  praktische  Bedeutung  gewinnen,  wo  der  Staat  von  den  Staatsbürgern ­
  nur  geringe  Opfer  in  Anspruch  zu  nehmen  braucht.  Die
Durchführung  des  Ideals  der  einzigen  Steuer  stößt  auch  auf  die
Schwierigkeit,  daß  es  gewisse  Steuern  gibt,  die  aus  volkswirtschaftlichen ­
  oder  anderen  Gründen  behalten  werden  müssen,  wie  z.  B.
Zölle,  eventuell  Luxussteuern  usw. ;  ferner  daß  bei  der  Wahl  der
Steuern  ein  Unterschied  gemacht  werden  muß,  je  nachdem  es  sich
um  den  staatlichen,  interstaatlichen,  kommunalen  Haushalt  handelt
usw.  Mit  Recht  weist  Leroy-Beaulieu  darauf  hin,  daß  es  sehr  verfehlt ­
  wäre,  die  Spiritussteuer  abzuschaffen,  die  große  Einkommen
bietet  und  die  auch  deshalb  gerechtfertigt  ist,  weil  sie  den  Alkoholismus ­
  mildert  und  Deckung  liefert  für  jene  Ausgaben,  welche  dem
Staate  die  Trunksucht  und  deren  Folgen  verursachen.
Oh  die  Umlegung,  Einhebung,  Exekution  der  einzigen  Steuer
weniger  Kosten  verursachen  würde,  was  namentlich  bei  den  Physiokraten
  ein  leitender  Gesichtspunkt  war,  das  ist  zweifelhaft,  wenn  es
auch  Wahrscheinlichkeit  besitzt.
Eine  Erscheinungsart  des  Individualismus  ist  es,  welche  die
Aufgabe  des  Staates  in  dem  Schutz  des  Vermögens  sieht  und  dementsprechend ­
  die  nach  der  Größe  des  Vermögens  abgestufte  einzige
Steuer  befürwortet.  Diesem  Gedankengang  begegnen  wir  schon  bei
Montesquieu,  dessen  Formulierung  gemäß  die  Steuer  jener  Teil
des  Vermögens  ist,  welchen  die  Staatsbürger  dem  Staate  zu  dem
Zwecke  überlassen,  daß  sie  den  verbleibenden  Teil  in  Ruhe  genießen
mögen.  Wenn  es  wahr  wäre,  daß  der  Staat  nur  die  Vermögenden
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.