Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

welche  mit  der  Zahlungsfähigkeit  nicht  in  unmittelbarem  Zusammenhang ­
  stehen.  Hierzu  kommt  noch  der  Umstand,  daß  die  direkten
Steuern  von  solchen  Tatsachen  ausgehen,  die  die  Gesamtsteuerkraft
oder  wenigstens  einen  ansehnlichen  Teil  derselben  festzustellen  gestatten, ­
  während  andere  Steuern  aus  einzelnen  isolierten  Tatsachen
geschaffen  und  immer  nur  auf  einen  Bruchteil  der  präsumierten  Steuerkraft ­
  zu  schließen  gestatten.  Da  aber  die  Kontrolle  solch  einzelner
Tatsachen  oft  viel  schwieriger  ist,  als  die  jener  großen  Kategorien,
die  mit  der  Einkommenheschaffung  zusammenhängen,  so  verursachen
die  direkten  Steuern  in  der  Kegel  wenigstens  einerseits  weniger
Mühe  und  Kosten,  andererseits  geringere  Beunruhigung  des  Staatsbürgers ­
  und  geringere  Störung  des  wirtschaftlichen  Lebens.
Da  das  Einkommen  geringere  Schwankungen  zeigt  als  der
Konsum,  so  zeigen  die  Einnahmen  aus  den  direkten  Steuern  größere
Beständigkeit  als  die  anderer  Steuern.  Die  Konsumtion  ist  beständigen ­
  Schwankungen  unterworfen;  die  geringsten  Umstände
nehmen  darauf  Einfluß;  das  Einkommen  dagegen,  die  Basis  der
Existenz  des  Individuums,  zeigt  gewöhnlich  größere  Beständigkeit.  So
hat  man  in  Frankreich  die  Erfahrung  gemacht,  daß  politische  Unruhen ­
  die  Einnahmen  aus  den  indirekten  Steuern  mindern,  während
sie  die  aus  den  direkten  Steuern  weniger  berühren,  was  übrigens
Leroy-Beaulieu  auf  Grund  späterer  Daten  bezweifelt.  Darum  sehen
Thiers,  Garnier-Pages  einen  Hauptvorteil  der  direkten  Steuern  in
ihrer  Solidität.
Besondere"-  Wichtigkeit  besitzen  die  direkten  Steuern,  weil  sie
im  allgemeinen  bei  guter  Organisation  die  Volkswirtschaft  am
wenigsten  stören,  da  sie  weder  in  die  Produktion,  noch  in  die
Zirkulation  und  Konsumtion  unmittelbar  eingreifen.  Dies  gilt  in
erster  Linie  von  der  Einkommensteuer,  schon  weniger  von  den  Ertragssteuern ­
  und  Verkehrssteuern.
In  politischer  Hinsicht  wird  den  direkten  Steuern  der  Vorteil
zu  geschrieben,  daß  infolge  des  unmittelbar  durch  dieselben  ausgeübten ­
  Druckes,  die  Völker  gegen  abenteuerliche  Unternehmungen
im  allgemeinen  besser  geschützt  sind.  Leroy-Beaulieu  widerlegt
diese  Auffassung  mit  einigen  interessanten  Beispielen,  doch  beweisen
diese  nur,  daß  mächtige  Einflüsse  ein  Gegengewicht  ausüben  können;
die  Erhebung  der  direkten  Steuern  wird  immer  qjnem  größeren  Widerspruch ­
  begegnen,  als  die  Einführung  der  einen  oder  anderen  Verzehrungssteuer, ­
  denen  sich  bis  zu  einem  gewissen  Grade  der  Einzelne
entziehen  kann.
3.  Theoretisch  sind  unbedingt  die  direkten  Steuern  die  vollkommensten; ­
  zu  dieser  theoretischen  Güte  gesellen  sich  aber  große
            
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