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1. Buch. Einleitende Lehren.
Verschenkung und Veräußerung des Grundbesitzes führen bald zur
Umänderung dieser Quelle, die dann die finanziellen \ orrechte er
setzen müssen. In den einzelnen Staaten zeigen sich natürlich Ver
schiedenheiten. Wo die Konsolidation des Staatswesens sicher vor
sich geht, dort entwickelt sich auch bald das Steuerwesen. Im An
fang bildet die Steuer zum großen Teil eine außerordentliche Ein
nahmequelle, die die Nichtadligen bedrückt und von den Ständen
bewilligt werden muß. So entsteht in Frankreich die Taille, die
sich aus den „aides“ entwickelte, später die „capitation“. Wir be
gegnen in dieser Zeit auch früh dem Schuldenwesen, das sich
namentlich unter der Einflußnahme der römischen Kurie entwickelte.
Am frühesten organisierte sich das Finanzwesen in den Städten.
Ebenso sehen wir in England raschere Fortschritte. Gebühren und
Zölle treten hier früh auf, ebenso Regalien. Auch begegnen wir
hier früh Vermögens- und Einkommensteuern, die wenigstens zum
Teil auch den Adel belasten. Den raschesten Fortschritt zeigen
jedoch auch hier die Städte. Die größere wirtschaftliche Entwick
lung, die höhere Kultur wirkte auch auf das Finanzwesen fördernd
ein. ' Dies bewirkte noch der Umstand, daß die Städte in geringerem
Maße über Grundbesitz verfügten und daß Industrie und Handel
früher zum Übergang von der Naturalwirtschaft zur Geld wirtschaft
zwangen. In den Städten entwickelte sich auch früher das Gemein
gefühl. All dies machte die entsprechendere Organisation dieses Fi
nanzwesens sowie die Inanspruchnahme der schwierigeren Einnahme
quellen, wie der Steuern, möglich. Darum begegnen wir in den
Städten neben sonstigen Einnahmequellen früh direkten Steuern,
namentlich Vermögenssteuern und noch mehr Verzehrungssteuern.
Städtische Unternehmungen, Zölle, Gebühren (Münze, städtische
Wage usw.) und Bußen nehmen früh ihren Platz ein. Im allge
meinen machen die Städte infolge der erwähnten Umstände die
einzelnen historischen Stadien des Finanzwesens rascher durch.
In großen Zügen finden wir in den einzelnen Staaten denselben
Gang der Geschichte, wie ja zur Charakteristik der vorrevolutio
nären Zeit, der Zeit der Feudalperiode, Tocqueville sagt: Von den
äußersten Grenzen Polens bis zum irischen Meere ist alles sich
gleich 1 ). Darum fügen wir nur einige spezielle Daten für Ungarn bei.
Die historische Entwicklung des Staatshaushaltes in Ungarn
zeigen uns folgende Daten. Vor Errichtung des Königtums durch
Stefan d. H. bildeten die Früchte eines Teiles der eroberten Lände
reien und die Kriegsbeute die ersten Staatseinnahmen. Auch in
•) Das alte Staatswesen. Leipzig 1857. S. 13.