Full text : Finanzwissenschaft

V.  Abschnitt.  Die  Papiergeldschuld.

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Zu  den  Staaten,  deren  Volkswirtschaft  fast  beständig  unter  den
Miseren  des  Papiergeldumlaufes  litten,  gehört  in  erster  Reihe  Österreich. ­
  Das  erste  Papiergeld  repräsentieren  die  im  Jahre  1762  ausgegebenen ­
  Bankozettel,  die  aber  keinen  Zwangskurs  genossen  und
vom  Publikum  gerne  angenommen  wurden.  Der  Umlauf  betrug
12  Millionen.  Mit  dem  wiederkehrenden  Defizit  wurde  die  Menge
der  Noten  stets  vermehrt  und  deren  Emission  wurde  in  der  Periode
der  Napoleonischen  Kriege  stetig  fortgesetzt.  Im  Jahre  1796  wird
die  Einlösung  suspendiert,  worauf  die  Entwertung  immer  größer
wurde.  Alle  Verfügungen  versagten,  es  wurden  bezahlte  Agenten
ins  Land  geschickt,  die  dem  Publikum  die  Ursachen  der  Teuerung
erklären  sollten,  die  Blätter  wurden  unter  Aufsicht  gestellt,  die
Leseräume  wurden  geschlossen.  Überdies  wurde  eine  Billigkeitskommission ­
  installiert.  Man  wollte  eine  Metallanleihe  aufnehmen,
alles  versagte.  Das  Agio  stieg  zeitweise  auf  1200.  Endlich  erschien ­
  am  20.  Februar  1811  das  Devalvationspatent.  Der  Wert  des
Papiergeldes  wurde  auf  den  fünften  Teil  reduziert,  die  im  Umlauf
befindlichen  1060  Mill.  Gulden  wurden  mit  212  Million  Einlösungsscheinen ­
  eingewechselt.  Ganze  Klassen  verarmten.  Bald  sank  aber
auch  der  Wert  der  Einlösungsscheine,  das  Disagio  betrug  im
Jahre  1816  :  372.  Es  folgt  die  Gründung  der  Nationalbank,  die
mit  der  Einlösung  des  Papiergeldes  betraut  wurde  und  die  trotz
großer  Schwierigkeiten  so  viel  erreichte,  daß  im  Jahre  1847  der
Umlauf  der  alten  Banknoten  auf  7,8  Millionen  sank.  Mit  dem
Ausbruch  der  Revolution,  dem  Kriege  in  Italien,  mußte  die  Einlösung ­
  wieder  suspendiert  werden,  es  werden  Staatsnoten  ausgegeben ­
  und  die  Papiergeldwirtschaft  kehrt  bald  zu  den  früheren
Zuständen  zurück.  Die  Versuche,  der  Papiergeldwirtschaft  zu  entgehen, ­
  vereitelt  der  italienische  Krieg  im  Jahre  1859  und  der
preußische  Krieg  im  Jahre  1866.  Das  Agio  steigt  zeitweilig  über
50  Prozent.
Die  Geschichte  dreier  Staaten,  Rußland,  Italien  und  die  Vereinigten ­
  Staaten  bieten  lehrreiche  Daten  über  die  Verwüstungen,
die  das  Papiergeld  anzurichten  vermag.  Im  großen  ganzen  verschont ­
  blieben  namentlich  zwei  Staaten,  Preußen  und  England.
Preußen  hat  wohl  mehrmals  Papiergeld  emittiert,  da  sich  aber  der
Umlauf  in  sehr  engen  Grenzen  bewog,  so  haben  sich  die  schlimmen
Folgen  nicht  eingestellt.  Auch  in  England  war  der  Umlauf  nicht
exzessiv,  trotzdem  haben  die  nachteiligen  Folgen  große  Unruhe  verursacht, ­
  die  dann  zur  Herstellung  des  Hartgeldumlaufes  führten.
Wir  ersehen  aus  diesen  kurz  skizzierten  Fällen,  welche  Gefahren ­
  mit  der  Inanspruchnahme  der  Papiergeldschuld  verbunden  sind.
            
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