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5. Buch. Der Staatskredit.
im Laufe des Krieges die Aufnahme der Ansehen, die Anfang 1917
dahin sich steigerten, daß England die beschämendsten Bedingungen
aufstellte,, um nur eine zu nennen, daß nur eine solche Regierung
ernannt werden darf, die England gutheißt, also Verzicht auf die
wichtigsten Souveränitätsrechte. Plan- und Systemlosigkeit charak
terisieren das ganze Kriegsanlehenwesen. Die wichtigsten Kredit
operationen sind folgende:
a) Kurzfristige Anlehen. Am 16. August und 1. Oktober
wurden je 400 Mill. 5 prozentige Schatzscheine mit vierjähriger
Lauffrist, am 22. August 300 Millionen 4 prozentiger Schatzscheine.
Ende Oktober wurden 580 Millionen Rubel in London placiert, mit
der Bedingung, daß 8 Millionen £ Gold von der russischen Staats
bank in der Bank von England deponiert wurden. Des weiteren:
Russische und englische Valuta
am 8. Februar 1915 500 Mill. Rubel zu 5 "/, mit */, jährig. Lauffrist
Englische Valuta
am 8. Februar 1915 40 Mill. £ mit 1 jährig. Lauffrist
„ 22. „
1000
n
zu 5 0 / 0
„ 14. April
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>, 18. „
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1100
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ii
Anfangs 1916 belief sich der Betrag von kurzfristigen Anlehen
auf 7 Milliarden Rubel, sodann kam noch eine Anleihe von 471
Millionen Rubel. Ende Juni wurde die Ausgabe von weiteren
3 1 j i Milliarden Rubel langfristiger Schatzscheine bewilligt. Zu
diesen Emissionen kommt nun eine Reihe von Kreditoperationen
im Auslande. So auf dem amerikanischen Geldmärkte 297 Millionen
Dollar und 10 Millionen £, zum Teil Handelskredite und Deckung
von Kriegsbedarf. Bis Ende 1915 belief sich der Betrag der in Eng
land, Amerika und Frankreich aufgenommenen kurzfristigen An
lehen auf 1,85 Milharden Rubel. Hierzu kommen die reichlichen
Unterstützungen von seiten Englands und Frankreichs. So das
Abkommen, wonach England und Frankreich für die ganze Kriegs
dauer alle Verbindlichkeiten aus Kriegslieferungen in Paris, London
l) Siehe Koppe, Die Kriegsanleihen Rußlands und Italiens (Jahrbücher f.
Nationalök. u. Statistik, November 1916).