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der andere, nur daß sie einmal für den Gutsherrn sich schinden mußten
und dann wieder für sich selbst. Zerkaust und gekauft würbe sehr wenig,
nur gerade, was der Gutsherr ihnen um einen Spottpreis abnahm oder
um teuren Preis aufdrängte." \
„Ja, siehst du," erwiderte ich, „da liegt eben gerade die Schwierigkeir. .
Was wollen wir denn eigentlich Herauskriegen? Von welcher Frage sind wir
denn ausgegangen?"
„Ich wollte wissen, wovon die Preise abhängen," sagte Karl. „Bei
dieser Gelegenheit möchte ich dich übrigens fragen, was das zu bedeuten hat,
daß wir einmal vom Preis und dann wieder vom Wert reden. Ist das das-l
selbe oder was ist der Unterschied?"
„Es ist gut, daß du mich darauf aufmerksam machst," antwortete ich;
„denn davor muß man sich sehr hüten, eine Sache mit verschiedenen Aus-t
drücken oder mehrere Sachen mit einem Wort zu bezeichnen. Daraus ent-»
stehen dann immer Verwechslungen und unnütze Streitereien. Wir wollen
also fortan als Wert, genauer Tauschwert, das Verhältnis bezeichnen, in dem
sich Waren gegeneinander austauschen. Wenn sich also zum Beispiel zwei
Röcke gegen drei Hüte austauschen lassen, dann haben zwei Röcke den „Tausch- •
wert" von drei Hüten und die drei Hüte den „Tauschwert" von zwei Röcken.
Diese Bedeutung des Ausdruckes müssen wir uns gut merken. Der „Preis"
ist dann das Verhältnis, in dem sich die Waren gegen Geld austauschen. Das
ist aber schon eine kompliziertere Erscheinung, und so müssen wir also die
Frage zunächst so stellen: „Wovon hängt der Tauschwert der Waren ab?" :
Aus den Preis werden wir dann schon später kommen."
„Du sprichst da immer," unterbrach mich Wilhelm, „von „Austauschen",
aber man tauscht doch nicht zum Beispiel ein Paar Stiesel gegen einen Rock.
Tauschgeschäfte machen bei uns zulande allenfalls die Kinder in der Schule, |
aber doch nicht Geschäftsleute."
„Das ist schon richtig," antwortete ich; „aber wenn ich als Schuster ein
Paar Stiefel um, sagen wir, 15 Mk. verkaufe und mir für dieses Geld einen
Rock kaufe, dann ist es doch für mich dasselbe, als ob ich den Rock gegen die j
Stiefel eingetauscht hätte. Ebenso kauft der Schneider mit den 15 Mk. viel-1
leicht ein Bügeleisen, der Eisenhändler für dasselbe Geld Brot und der!
Bäcker endlich wieder Stiefel. Hier ändert das Geld nichts an den Be
ziehungen, es ist so,, als ob alle miteinander getauscht hätten."
„Nun schauen wir aber einmal," fuhr ich fort, „ob wir dein Beispiel für :
unseren Zweck gebrauchen können. Was hat es denn in der Wirtschaft deiner !
Urgroßeltern, der dienstpflichtigen Bauern, für Austausch gegeben?"
Wilhelm dachte eine Weile nach,'und dann sagte er: „Eigentlich recht
wenig; denn die machten sich fast alles selbst, was sie brauchten, sie brachten
nichts auf den Markt und kauften dort nicht ein. Höchstens das käme in Be
tracht, was sie dem Gutsherrn verkaufen oder von ihm kaufen mußten."
„Aber damit werden wir auch nicht viel anfangen können," entgegnete
ich; „denn für uns handelt es sich doch darum, die Gesetze des freien Aus
tausches zu ergründen, wie er heute stattfindet, ohne Zwang; denn wenn;
ein Räuber zum Beispiel im Wald einen Wanderer anfällt und mit ihm die |
Kleider tauscht, dann werden wir aus diesem Vorgang nicht viel darüber I
erfahren, wie der Tausch zwischen Gewerbsleuten, Kaufleuten u. s. to. in der
Regel vor sich geht. Ihr seht also, daß wir nicht alle einfachen Lebensverhält
nisse für unseren Zweck der Erklärung des Tauschwertes gebrauchen können."