Full text: Kapitalismus und Sozialismus

59 
:n auch 
ohends 
gerade 
ießlich, 
r selbst 
Unter 
en gar 
cf}- 
ilhelm. 
;S nickt 
[, »daß 
Gerade 
Streit 
oar im 
'aufhin 
l. Aber 
tzt gar 
ansahen 
ft Zum 
a auch, 
t. Aber 
sie sich 
t." 
selbe?" 
:aht zu 
ht und 
gewon- 
ter zu 
neuen 
nraen/' 
aß der 
Anteil 
eringer 
betein- 
e auch, 
• einen 
lrbeits- 
talisten 
zu und 
izu die 
: Werk 
statt erzählte, konntest du schon erkennen, wie notwendig es rst, vor dem 
Ausbruch eines Lohnkampfes die Aussichten auf den Sieg richtig zu beur 
teilen. Dazu gehört aber vor allem auch, daß man den Widerstand des 
Gegners richtig einschätzt. Geht es einem Unternehmer gut und hat er dre 
Hände voll zu tun, dann wird er viel leichter in eine Lohnerhöhung ern- 
willigen, als einen Streik riskieren; denn er macht ihm sicher großen 
schaden, während er, wenn flott weitergearbeitet wird, so viel Gewinn 
macht, daß er einen kleinen Teil davon den Arbeitern überlassen kann, ohne 
selbst viel davon zu merken. Geht aber das Geschäft schlecht, ist der 
Gewinn des Unternehmers sowieso schon gering und stockt der Absatz, dann 
verliert der Unternehmer nicht viel durch die Arbeitseinstellung: im Gegen 
teil, er braucht in dieser Zeit keine Löhne zu zahlen und kann sein Waren 
lager ausverkaufen. In eine Lohnerhöhung wird er aber gerade dann erst 
recht nicht einwilligen, denn die würde ihm seinen Gewrnn zu sehr verkürzen, 
«ieber wird er den Widerstand bis zum Aeußersten trerben und eventuell 
sogar das Geschäft aufgeben. Ein tüchtiger Gewerkschaftsbeamter muß das 
alles berücksichtigen, er muß den Markt und das Geschäft genau kennen, 
bevor er ein Urteil über die Zulässigkeit eines Lohnkampfes abglbt. Aber 
das ist noch nicht alles. . , 
Wenn die Löhne in einem Betrieb steigen, ist es oft für den Kaprtalrstelr 
rentabler, neue Maschinen aufzustellen, die die Menschenkraft ersetzen, 
Amerika, wo die Löhne am höchsten sind, werden viel mehr Maschrnen ver 
wendet als zum Beispiel bei uns. In China aber, wo dre Löhne entsetzlich 
niedrig sind, wird fast alles mit der Hand gemacht. Wenn also m irgend 
einer Fabrik Lohndifferenzen ausbrechen und der Gewerkfchaftsbeamie 
beurteilen will, ob man in einen Lohnkampf eintreten soll, muß, er sich 
auch die Frage vorlegen, ob die verlangte Lohnerhöhung nicht die 
üellung neuer Maschinen für den Unternehmer rentabler macht, ob dadurch 
nicht noch mehr Kollegen brotlos werden, auf der anderen Seite aber auch, 
ob der Unternehmer nicht lieber jene Maschinen einführen und die Lokni- 
erhöhung bewilligen, als es auf einen langwierigen Lohnkampf ankommen 
lassen wird." , , • 
„Donnerwetter!" rief Karl ganz entsetzt. „Da brummt einem w. der 
Schädel, wenn man all das hört. Ich hätte mir die Entscheidung über einen 
Streik gar nicht so schwer vorgestellt." 
„Ja, seht ihr," antwortete ich, „die Gewerkschaften _ wissen schon, 
warum und wozu sie Beamte anstellen. Der einzelne Fabrikarbeiter tennt 
den Betrieb, in dem er arbeitet, und die Uebelstände, die dort herrschen, 
genauer als der Gewerkschaftsbeamte; aber den Ueberblick über das ganze 
Gewerbe kann er sich nicht verschaffen. Dazu fehlt es ihm schon an der Zeit. 
Dazu muß einer eigens angestellt sein, und auch dann noch ist es oft eine 
schwierige Sache, die viel Wissen und feinen Takt, die einen ganzen Mann 
/,Jd, aber sind denn diese Kämpfe überhaupt notwendig?" fragte nach 
einigem Schweigen Wilhelm. „Dadurch erbittern doch die Arbeiter die 
Unternehmer. Würden sie nicht auf friedlichem Wege eher etwas erreichen?" 
1 „Nun, das ist ja schon genug versucht worden", antwortete ich. „Bevor 
cs noch Gewerkschaften gab, hätten doch die Unternehmer reichlich Gelegen 
heit gehabt, ihre Großmut zu zeigen. Damals ist ihnen aber davon gar 
nichts eingefallen. Erst als ihnen später die Organisationen der Arbeiter 
zu Leibe gingen, da fingen sie zu schreien an, sie hätten ja gern alles Mdg-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.