DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Die Behörden untersuchen
Diese Hausse fieberhaft,
Doch der Kluge muß versuchen,
Wie er selbst sich Hilfe schafft.
Dieser Kluge trinkt und schmauset
Nur im „Eldorado“ fein.
Wems sonst ob der Preise grauset — —
Dort scheints Paradies zu sein!
Dort gibts riesige Portionen,
Dort ißt Du Dich billig satt.
Komm! Sei klug! Es wird sich lohnen.
Dort klingt jede Klage matt.
Hier ist eine vielbesprochene und vielbeklagte Zeiterscheinung
in geschickter Weise mit der Anpreisung des inserierenden
Lokals verbunden. Das angestimmte Klagelied ist in ganz
Deutschland erschallt und es wird beim Leser auf unbedingtes
Verständnis stoßen. Daraus ergibt sich jene Wirkung, die bei
der Anzeige so außerordentlich wichtig ist: die Einstellung auf
die Psyche des Lesers. Daraus wird Sympathie für das inserie-
rende Restaurant geboren. Man wird sich diesen „Wirt wunder-
mild‘ merken, der so in den allgemeinen Nöten, die jedermanns
Not sind, mit zu fühlen weiß, und früher oder später wird ein
Besuch und Versuch erfolgen. Sache des Gastwirts ist es dann,
durch gute Darbietungen den Versucher zum dauernden Be-
sucher zu wandeln. Nicht minder dankbar wird sich bei der
Zeitstrophe die Verwendung lokaler Ereignisse erweisen. Das
nächste Musterbeispiel wird es zeigen.
Ach, dem Volkswirtschaftler graut!
Überall wird abgebaut
Und der Geldnot schwere Herbe
Drückt auf Handel und Gewerbe.
Nur die Stadt ist sehr geschäftig
Und erhebt die Steuern kräftig.
Doch es macht sie sehr verlegen,
Diese Gelder anzulegen.
Endlich fiel ihr Augenmerk
Auf das Schloß am Albrechtsberg
Und für wenige Millionen
Kaufte sie die Sensationen.
Gleiche Summen bietet man
Für private Parke an,
Und im schönen Blasewitz
Kauft sie täglich Grundbesitz.
Ach! Man faßt sich an den Haaren!
Überall denkt man ans Sparen.